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Nach Ägypten!

Kaum zu glauben, dass es nur knapp 100 Jahre her ist. Während heute das Klima in Ägypten von politischen Auseinandersetzungen geprägt und dort mit terroristischen Anschlägen zu rechnen ist, stand das Land Anfang des 20. Jahrhunderts für einen exotischen Traum, welcher alle positiven Eigenschaften von Ursprünglichkeit und Geheimnis in sich vereinte. Damit konnte das industrialisierte Europa keinesfalls mithalten, weshalb europäische Künstler und Intellektuelle, darunter auch Max Slevogt und Paul Klee, in den nahen Orient reisten – auf der Suche nach einer verloren geglaubten Magie.

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Max Slevogt: “Palmengarten in Luxor”, 1914, Öl auf Leinwand, 56,5 x 38,5 cm, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

In der aktuellen Ausstellung im K20 Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee werden die unterschiedlich verarbeiteten Reiseeindrücke der beiden Maler gegenübergestellt. Während Slevogt vor Ort geradezu in eine Malorgie geriet und impressionistische Werke schuf, die die Stimmungen der Szenerien einfangen, widmete sich Klee zunächst vollkommen der Reise und setzte sie, wieder zu Hause angekommen, rückblickend um. Slevogt malte Basare, Häfen, Alltagsszenen und auch – dank einer hart erkämpften besonderen Genehmigung – Islam-Unterricht in Moscheen. Klees Werke dagegen zeigen subjektiver und weniger dokumentarisch, wie die Reise sein Gefühlsleben beeinflusst und wie er sie interpretiert hat. Eine rührende, winzige Zeichnung von 1930 führt mir dies vor Augen. Sie nennt sich Bauchtanz und besteht aus wenigen Strichen – die Körperhälften befinden sich, losgelöst voneinander, durch unterschiedliche Antriebe in Bewegung. Obwohl von einer exotischen Bauchtänzerin wenig zu sehen ist, höre ich fast schon die passende Musik zu ihren Bewegungen.

Für die Kunstsammlung NRW ist diese Ausstellung natürlich ein Heimspiel, weiterlesen

Unter der Erde

Unter der Erde ist es düster, dreckig, geheimnisvoll. Und was macht der Mensch, der Sisyphos? Er will systematisieren, erschließen, zugänglich machen – wie das Tier, Franz Kafkas Alter Ego in der Erzählung „Der Bau“ von 1923/24, das unter der Erde obsessiv perfektionistisch ein komplexes Tunnelsystem gräbt. „Die Arbeit am Burgplatz erschwerte sich auch unnötig (…) dadurch, daß gerade an der Stelle wo der Platz standesgemäß sein sollte, die Erde recht locker und sandig war, die Erde mußte dort geradezu festgehämmert werden, um den großen schön gewölbten und gerundeten Platz zu bilden. Für eine solche Arbeit aber habe ich nur die Stirn. Mit der Stirn also bin ich tausend und tausend mal tage- und nächtelang gegen die Erde angerannt, war glücklich wenn ich sie mir blutig schlug, denn dies war ein Beweis der beginnenden Festigung der Wand.“

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Thomas Schütte: “Bunker, Modell V”, 1981,Tusche und Sprühfarbe auf Papier, ca. 70 x 100 cm, © VG Bild-Kunst, Foto Kunstsammlung NRW

Die Ausstellung Unter der Erde – Von Kafka bis Kippenberger im K21 befindet sich zwar unter der Erde, aber sie ist, umgeben von hellgrauen Wänden, übersichtlich, glatt und gut beleuchtet. Der schwarz-neongelbe Katalog riecht so wie letztgenannte Farbe. Ich muss niesen. Am Ende des Rundgangs gehe ich hinaus auf die Wiese hinter der Bar am Kaiserteich, um mir das Werk von Kris Martin anzuschauen: ein weißer, glatter Klotz mit der Aufschrift Unter der Erde scheint die Sonne (2014). Er erinnert weniger an einen Grabstein als an eine Bank, die zum Verweilen einlädt.

Sterne unter der Erde. weiterlesen

Backdoor Fantasies

Wenn ich die Augen ganz fest schließe, sieht man mich dann? Wenn ich ununterbrochen arbeite, kann die Angst mich dann umklammern? Kann ich anblicken, ohne selbst gesehen zu werden, obwohl ich verberge? Im Rahmen der Pressepreview der Ausstellung Backdoor Fantasies von Kai 10 | Arthena Foundation spazieren wir bei fantastischem Wetter über die Brücke am Hafen. Der Künstler Jan Hoeft erzählt mir, dass er vor einer Stunde auf derselben Brücke Katja Riemann bei einer Drehpause beobachtet hat. Die grauen Anzugträgerinnen und Anzugträger, die hektisch an mir vorbei eilen, erinnern mich daran, dass mir die berufliche Beschäftigung mit grundlegenden Fragen unserer Existenz vergönnt ist. Ebenfalls fantastisch.

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Ludger Gerdes: “Angst” (Ausstellungsansicht Kai 10), 1989, Neoninstallation, ca. 180 x 700 x 32 cm, Courtesy Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, Foto Alexandra Höner, © VG Bildkunst, Bonn 2014

Die Ausstellung stellt die eingangs genannten Fragen – und zwar im weitesten Sinne, emotional wie geografisch – und beantwortet sie auf erfrischende Weise in einer Kombination von Kunst und Standort. Sie wendet sich dabei nicht nur die Besucher, sondern auch an den Medienhafen mit der Idee, für die er steht. weiterlesen