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Schizo-Quito 2

(Fortsetzung von Schizo-Quito 1)

Nass im Estadio Olímpico Atahualpa

Regen gab es auch, erst beim Elfmeter in Form von Bier, danach  in der von fetten Tropfen, die nicht nur die Körper, sondern auch die Gemüter kühlten.

Einer der Jungs bot mir seine Regenjacke an und obwohl wir beide darunter gepasst hätten und ich ihm die Hälfte wiederholt anbot, blieb er lieber im Regen stehen. Ich stellte fest, dass die „cortesía latina“ mich immer wieder überrascht. Er präzisierte jedoch, es handele sich um die „cortesía ecuatoriana“. OK, sie ist vielleicht nicht ganz ökonomisch, aber wann hat man in Deutschland schonmal eine solche Konzentration an Gentlemen um sich. Eben. Gar nicht.

Die Stimmung war trotz der Gewalt durchgängig super: Man durfte „chucha“ (heißt in dem Zusammenhang sowas wie Weichei) brüllen, bis man heiser war (dank Tränengas gings noch schneller). Trommeln und Sänger ließen Cumbias und ähnliches erklingen – für Bewegung war also auch gesorgt.

Am Ende stand es übrigens harmonische 1:1. Genauso harmonisch wie das Ausströmen aus dem Stadion.

zu Pferd
zu Fuß
und vor Feierabend schnell noch was zu Essen gekauft

Schizo-Quito 1

Gut, wenn man in dieser Ecke Weiß trägt!

Mein Frühstück bestand an diesem Tag, in genau der Reihenfolge, aus Bier, Tränengas und Zigaretten.

Ich hatte, freundschafts-, sitzplatz- und berufsbedingt, keine Wahl beim Unterstützen einer Mannschaft: Es spielte „meine“, die „Liga de Quito“ in Weiß, gegen den „Deportivo de Quito“ in Rotblau. Die letztgenannte Mannschaft hat angeblich hauptsächlich Taxifahrer als Fans (ich habe das nicht überprüft).

Ja, Quito gegen Quito, das war vielversprechend und es gab schon Prügeleien vor dem ersten Tor. In diesem Fall konnte ich die Solidarität, die wahrscheinlich eines der Hauptmerkmale von Mannschaftssport ist, durchaus nachvollziehen und war sehr froh, dass es sie auch unter den Fans gab. Sozusagen präventiv beschützend stürmten diese aufeinander zu, um die Schwächeren hinten (dazu zähle ich mich mal) zu schützen. Oder um einfach mal Aggressionen rauszulassen, wie man es sehen will.

Die Polizei tat das ihre und sprühte Tränengas. Gegen die Schleimhautreizung hilft, wie ich jetzt gelernt habe, Zigaretten zu rauchen. Merke: Tränengas lässt Nichtraucher cool aussehen, denn man muss nur DAVOR husten!

Bergfußball

Aber auch andere Unterhaltung gab es, meine eher passive denn aggressive Haltung musste ich dafür gar nicht aufgeben. Händler kamen zu uns und verkauften Bier und weitere Getränke, Kaugummis und Essen. Nur aufs Klo konnte niemand für mich gehen. Schade.

Wie in San Clemente waren Kinder immer dabei, ob als (nicht pöbelnde) Zuschauer oder (sehr erfolgreiche) Verkäufer. Die großen Kinder (Männer) machten sich in der Halbzeit einen Spaß daraus, die zu verschenkenden Fußbälle wieder aufs Spielfeld zu kicken.

Nächste Woche Donnerstag geht’s weiter!

Leben auf zwei Rädern

Ho Chi Minh City ist eine beschäftigte Stadt. Wahrscheinlich auch sehr produktiv, denn die vietnamesische Regierung hat facebook für die Bürgerinnen und Bürger gesperrt.
Wir waren zwei Tage dort, ich als Zombie, Mélanie als normaler Mensch. Ich weiß jetzt, wer der größte Mopedabnehmer der Welt ist. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Mopeds auf einem Haufen gesehen. Nicht mal in Bangkok. Das Moped ist Transportmittel Nummer Eins. Für alles. ALLES. Wo das deutsche Gesetz aufhört, beginnt die asiatische Phantasie erst. Es wird gemunkelt, dass sogar schon Kühe mitgefahren sind. Sicher bin ich mir aber bei Schweinen, drei Meter hohen Kisten und Großfamilien. Dementsprechend gefährtlich ist das Straßenüberqueren. Stellt Euch eine breite Straße vor und darauf Moped an Moped, kein Essstäbchen hat dazwischen Platz. Zebrastreifen sind nur Deko. Und dann müsst Ihr rüberlaufen.
Aber im Grunde braucht man nicht mal über die Straße zu laufen, um vom Moped überfahren zu werden. Als ich Mélanie warnte, ihre Tasche wegen Diebstahlgefahr nicht auf der Straßenseiteschulter zu tragen, überholte uns eine Sekunde später ein Moped auf dem Bürgersteig. Und zwar von rechts. Sowieso, Bürgersteige sind hier für Mopedparkplätze gedacht, Fußgänger müssen auf der Straße laufen.

Schnell machten wir uns auf nach Nha Trang, und zwar mit dem Nachtzug. Abends um elf stiegen wir ein, quetschten uns in das Sechserabteil und morgens um halb sechs waren wir da.

Kurz ein Mototaxi organisiert und zum Hostel gedüst. Endlich! Ein Ort der Ruhe und Entspannung. Wir wohnten direkt am Meer. Also fast. Nur eine extrem befahrene Straße mussten wir überqueren. Aber wie ich von Disney’s Mulan gelernt habe: Einfach losgehen, nie die Geschwindigkeit ändern, langsam weiterlaufen, egal was kommt und bloß nicht anhalten. So können die Fahrzeuge Deine Geschwindigkeit einschätzen und Dich umfahren. Trotzdem, jedesmal standen wir einige Sekunden am Straßenrand und fragten uns, ob wir tatsächlich so lebensmüde waren, diese Straße zu überqueren. Waren wir.
Einmal war ich allein, da nahm mich eine Vietnamesin bei der Hand und ging mit mir rüber. Danach fragte ich sie wo die Apotheke sei (jaja, meine Brandwunde braucht immer noch Pflege) und auch dorthin nahm sie mich händchenhaltend mit. Dabei erzählte sie mir, wie weich meine Hand sei. Sowas kann einem echt nur in Asien passieren. Während Küssen in der Öffentlichkeit verpönt ist, ist Händchenhalten in jeder Menschenkombination durchaus gängig. Und oft auch überlebensnotwendig.