Navigate / search

Trubel von außen

Nach dem kleinen Schwedenexkurs fliegen wir gedanklich auf einen anderen Kontinent und landen wieder in Sri Lanka. Hier waren wir stehen geblieben.

Nachdem ich mich – aus Zeitgründen – schwermütig von der Besichtigung des kulturellen Nordens Sri Lankas verabschiedet hatte, wollte ich mir wenigstens wie ein rechtschaffener Tourist Kandy anschauen. Bevor die Briten sich 1815 die Insel unter den Nagel rissen, war das nämlich die Hauptstadt des (letzten) singhalesischen Königreiches.

Nun war ich also wieder auf mich gestellt. Naja, fast. Meine neue Familie hatte mir ein Handy mitgegeben, auf dem sie mich verhältnismäßig häufig kontaktierten und mich fragten, ob es mir gut ginge (jetzt kann ich nachvollziehen, wie Kinder überfürsorglicher Eltern reisen). Auch hatten sie mir über Beziehungen ein Hotel namens Kandy Residence mit sehr netten Menschen darin besorgt. Radja, der Mann für alles, kümmerte sich rührend um mich und gab mir sogar seine Handynummer, damit ich ihn im Notfall anrufen konnte. Es fühlte sich zwar familiär, aber trotzdem professionell an. Das Zimmer war für Sri Lanka untypisch sauber, aber die Aussicht auf eine künstliche Rose erinnerte mich konstant daran, dass ich mich tatsächlich in Asien befand. Herrlich!

Kandy Residece_Kandy_Sri Lanka.
Asienkitsch: Künstliche Rose vor meinem Zimmer im Kandy Residence. Und das Zimmer war sauber.

weiterlesen

Frauen im Fluss, Männer am Herd

Unsichtbare Schranken: So nah und nicht näher durfte ich in Begleitung einer anderen Frau den männlichen Kricketspielern kommen. Ja, ich habe mit Zoom fotografiert.

Während ich das Verhältnis zwischen den Generationen als sehr klar und strukturiert empfunden habe, gab mir das der Geschlechter Rätsel auf. Eigentlich gehen zumindest junge Frauen nirgendwo hin ohne ihren Mann / Vater / Bruder. Zum Beispiel durfte ich mich nicht allein mit Sadhana den Kricketspielern nähern, obwohl ich so gerne aus der Nähe gesehen hätte, wie dieses Spiel gespielt wird und ich außerdem total züchtig angezogen war. Als wir im Fluss gebadet haben, wuschen die Mädels die Hemden von Vater und Sohn. Aber dann fragte mich Sohn Janitha einmal, wieso ich nur der Mutter für das Essen danken würde, wo doch alle mitgekocht hätten. Und das stimmte, ich hatte einfach eine Schablone im Kopf nach dem Motto “Frau = nicht gleichberechtigt”. Sie hielten sich echt alle in der Küche auf, sogar der Vater kam ab und zu vorbei und schnippelte etwas. weiterlesen

Are you married?

Ich bin mir immer noch nicht sicher, was die Sri Lanker unfassbarerer fanden – dass ich alleine reiste oder dass ich in meinem Alter noch nicht verheiratet bin. Beides trug jedenfalls zu großen Augen bei, wobei das eine ja das andere mehr oder weniger bedingt. Sie fragten mich dann so lange nach dem Warum, bis mir echt nichts mehr einfiel und sie aufgeben mussten.

Baumfrucht Wita - mag ja lecker sein und den Atem erfrischen - aber die orangenen Zähne vertreiben garantiert jede (westliche) Frau.
Baumfrucht Wita – mag ja lecker sein und den Atem erfrischen – aber die orangenen Zähne vertreiben garantiert jede (westliche) Frau.

Hier ein universelles Beispiel für eine der Tausenden Unterhaltungen, die ich so oder in kleinen Abwandlungen in Sri Lanka führte. Ihr müsst Euch vorstellen, dass die Sri Lanker nach jeder Frage mit dem Kopf hin und her wackeln, um zu signalisieren, dass sie aufmerksam zuhören. Die Männer kauen dabei gerne Wita, die Frucht eines Baums namens Puwak (ähnlich einer Palme). Diese wirkt übrigens wie Kaugummi, da sie den Mund sehr erfrischt. Ich hoffe, die Erfrischung ist atemberaubend, denn die Zähne sehen davon grässlich orangefarben aus (ich musste mich immer zwingen, nicht darauf zu starren, wenn ich mit ihnen redete).

 

Warum reist du alleine?
Weil keiner mit nach Sri Lanka wollte.
Warum?
Weil sie entweder nicht nach Asien möchten oder andere Pläne haben.
Warum reist du dann nicht mit deinem Mann?
Weil ich nicht verheiratet bin.
Warum?
Weil es sich noch nicht ergeben hat.
Warum?
Weil es eben so ist.
Warum sucht deine Familie keinen für dich?
Weil man das in Deutschland nicht so macht.
Warum?
Weil man da auch alleine wohnen kann, ohne dass andere denken, man wäre schwer vermittelbar.
Warum?
&$%=&”% (ich blieb dabei höflich) weiterlesen