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bye bye NZ

Liebe Leser, ich bin wieder auferstanden aus der schlitzäugigen Versenkung. Sie war verkleidet als Kulturschock, begleitet von visueller und akustischer Reizüberflutung, Klimaanlagenkrankheit, Leuchtreklamen, riesigen Bildschirmen und netten, aufdringlichen Menschen mit Flyern oder wahlweise Visitenkarten in der Hand, die auf Irrwege des Großstadtdschungels hinweisen. Aber bevor ich genauer darauf eingehe müsst Ihr es Euch der Vollständigkeit halber erst mal mit der Zwischenstation Auckland gemütlich machen.

Ich kann unser Reisebüro keinem weiterempfehlen. Um das genauer zu sagen: Die haben echt eine an der Klatsche. Jedenfalls haben die so gebucht, dass wir, um von Sydney nach Hongkong zu kommen, erst mal nach Auckland fliegen müssen. An alle geographisch unversierten: Das ist witzig.

Wir machten das Beste draus und quartierten uns wieder bei Chris ein, der uns dank CouchSurfing schon zwei Mal beherbergt hatte. Wieder mal ein perfekter Gastgeber auf unserer Reise: Unser Bedauern, in Neuseeland kein Rafting gemacht zu haben, war ihm wohl sehr ans Herz gegangen, denn er hatte für uns drei schon eine entsprechende Tour geplant. Gut, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde, denn sonst hätte ich wahrscheinlich die Nacht vorher nicht geschlafen.

Was in Deutschland als Synonym für actiongeladenen Wasserspaß geführt wird heißt eigentlich nur „Schwimmen“. Rafting auf „whitewater“ wäre dann ein Fluss, „blackwater“ ist dann was genau? Richtig, eine Höhle. Das „Schwarz“ deutet darauf hin, dass man nichts sehen wird. Und ich dachte wir sitzen in einem Boot! Der Jetlag, das frühe Aufstehen, die lange Fahrt von Auckland zu der Glühwürmchenhöhle in Waitomo, das alles konnte ich ertragen, weil ich dachte, ich werde abgesichert in einem Boot sitzen. Weit gefehlt.

Tatsächlich kletterte ich in Wasserbergsteigermontour in einer Höhle herum, watete durch 8ºC kaltes Wasser, in der Hand einen schwarzen aufblasbaren Reifen, mit dem ich Wasserfälle heruntersprang und dank dem ich unter den tiefsten Stellen durchgleiten konnte. Ich war total stolz, weil ich wirklich nicht der Typ für Kletter- und Rutschpartien bin (siehe „Franz Josef Glacier“, 1. Mai 2010). Aber das hat mir nach dem ersten Drittel wirklich Spaß gemacht.

Hier ein besonders anschaulicher Fall von Fachidiotie: Die Fühererin forderte uns vor einer Wasserfallrutschpartie auf, die Füße „wie eine Ballerina“ zu spitzen, damit sie uns zum Abhang ziehen konnte. Während alle anderen sofort kapierten, was gemeint war und schon munter drauflosrutschten, überlegte ich noch nervös: „Welche Position denn?! Erste, sechste oder gar Fünfte?“ Irgendwie schaffte ich es aber dann doch den Abhang herunter.

Unser Weg durch die Höhle wurde beleuchtet von den berühmten Glühwürmchen, die eigentlich keine Würmer, sondern moskitoähnliche Fliegen aus der Familie der Pilzmücken sind. Für die Lateiner unter Euch: Auch Arachnocampa Luminosa genannt. Aber aus marketingtechnischen Gründen erhielten die leuchtenden Tierchen aus der großen Auswahl an Bezeichnungen dann doch ihren aktuellen Namen, der auch wirklich mehr Menschen anlockt als ihre eigentliche Natur: „Made“.

Sexy Menschen in sexy Ausrüstung, was will man mehr? Chris, Mélanie und ich bevor es in die Höhle reinging.

Hier noch eine kleine Einführung in ihr Leben, das ein bisschen an die Breitfuß-Beutelmaus erinnert (siehe “Tierische Überlebenstaktiken 2”, 19. Mai 2010). Die Made lebt und leuchtet dank Bioluminiszenz neun Monate lang, die erwachsene Fliege lebt nur vier bis fünf Tage. Sie besitzt keine Fress- und Verdauungsorgane, weil sie sich 4-5 Tage lang nur fortpflanzt (na, klingelt’s?). Die Maden sind da produktiv in einem anderen Sinne: Sie fertigen 20-40 klebrige bis zu 50 cm lange Fäden an, an denen ihre vom Licht angelockte Beute haften bleibt. Wenn man bedenkt, dass der Maori Jaanetinorau der 2. und Fred Mace, die 1887 das Leuchten entdeckten, die Maden noch voller romantischen Ideen „Titiwai“ („Titi“ = Stern, „Wai“ = Wasser) nannten kommt man zu folgendem Schluss: Realität ist manchmal grausam.

Bye, bye, schönes Neuseeland.

Last NZ-Picture.

Marie, 25, Frankreich. Was tun, wenn viel Geld verdienen nicht das Lebensziel ist? (2)

„Welchen Rat gibst Du unserer Generation?“, frage ich meine Interviewpartnerin, die 25jährige Marie aus Frankreich bei meinem Interview. Marie zögert. „Ich weiß nicht, ob das verantwortungsbewusst ist.“ Ich sage ihr, dass es darum gar nicht geht.

„Dann: Genießt das Leben!“

Berufswahl – den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen!

Maries Hilflosigkeit gegenüber der Flut an Berufsmöglichkeiten ist kein Einzelfall. Viele junge Menschen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, u.a. auch, weil es für sie schwierig ist, die unterschiedlichen Möglichkeiten angemessen zu beurteilen. Eine Entscheidung zu treffen bedeutet gleichzeitig, vieles andere auszuschließen, was weitere Ratlosigkeit verursacht. Vielleicht sind wir nicht umsonst die Generation Praktikum.

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Marie, 25, Frankreich. Was tun, wenn viel Geld verdienen nicht das Lebensziel ist? (1)

Das einzige, das Marie an der Ehe reizen würde, ist das weiße Hochzeitskleid. Auch sonst scheint sie von konventioneller Sicherheit nicht viel zu halten.

Ich treffe Marie in einem Backpackerhostel in Picton (Neuseeland), in dem sie gerade für ein paar Tage Pause vom WWOOFing („willing workers on organic farms“) macht. Die 25jährige Französin wundert sich, dass ich sie frage, ob sie mir von ihrem Leben erzählen will. Aus ihrer Sicht hat sie nichts Interessantes zu berichten, willigt aber trotzdem ein. Wir setzen uns in den Garten des Hostels unter einen Sonnenschirm und sie beginnt, eher gleichgültig von ihrem Werdegang zu berichten.

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