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Uecker-Nagel

Wenn die Kunststadt Düsseldorf den Stararchitekten Daniel Libeskind einen opulenten Kö-Bogen bauen lässt, wird die Kunst am Bau doch sicherlich mitbedacht. Oder? Bei neunstelligen Beträgen wäre das empfohlene 1% der reinen Baukosten schließlich eine nicht ganz unwesentliche Summe.

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Bis jetzt die einzige dauerhafte Manifestation bildender Kunst um den Kö-Bogen: ein Nagel von Günther Uecker. Foto Anke Ernst

Falsch gedacht. Aber die Düsseldorfer Kunst zeigt auf ihre Weise Präsenz um das durchaus als Konsumtempel zu bezeichnende Gebäude. Zum einen bis Mitte März in seiner vierten Etage, in Form einer eher willkürlich zusammengestellten Ausstellung des 701 e.V. Dazu muss gesagt werden: Viele Künstler wollten die Fläche aus ideellen Gründen nicht nutzen und sagten ihre Teilnahme ab. Und überhaupt ist die Ausstellung nun auch wieder abgebaut.

Zum anderen außerhalb des Kö-Bogens: Einzig und tapfer krallt sich seit November letzten Jahres, an der Schnittstelle der Verlängerung der Königsallee und des Hofgartens, ein Nagel in die Erde unter dem Asphalt. Die 1,2 Tonnen Bronze von Günther Uecker, die knapp zwei Meter in die Höhe ragen, versuchen dem Gebäude nebenan etwas Spektakularität abzutrotzen. In der entsprechenden Pressemitteilung wird zwar verkündet, dass „die leichte Schräglage“ dem Kunstwerk „Dynamik“ verleihe, doch ich werde das Gefühl nicht los: Da ist einfach zu viel Gegenwind im Spiel und die Stadt hat die Kunst bei der Umgestaltung ihrer Innenstadt schlichtweg vergessen.

Da kann man geradezu von Glück sprechen, dass der Düsseldorfer Industrieclub e.V. 100 und Düsseldorf 750 Jahre alt geworden sind – und Ersterer Letzterem aus diesem Anlass die Skulptur zum Geschenk gemacht hat. Aber wie so oft war die Kunst auch hier nur Mittel zum Zweck und überhaupt – der Nagel ist doch nur ein Establishment konformer Kratzer in der hochglanzpolierten Oberfläche. Wann wird es sich lohnen, die Augen aufzureißen, statt die Lider ein bisschen zur Kenntnisnahme anzuheben? Gähn.

 

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