Die Welt ist Ernst. Blog

Fernreisen sind klimaschädlich, und der Massentourismus belastet die Infrastruktur vor Ort. Wegen der weltweiten Pandemie ist das Reisen derzeit sowieso nicht ratsam.

Doch Reisen mit kulturellem Schwerpunkt bildet und hat wichtige Funktionen für die Gesellschaft und den Einzelnen. Es hilft, Vorurteile und die Angst vor dem Fremden abzubauen, fremde Kulturen zu verstehen und die Heimat zu schätzen.

Außerdem hab ich Fernweh.

Kann das virtuelle Reisen eine Alternative sein, um ferne Orte und Menschen kennenzulernen? Ich werde es herausfinden – vom Sofa aus. Und damit Du mitkommen kannst, blogge ich darüber.

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Anonyme Konzentration

Die Galeristin in spe glaubt an die Kraft der Naivität. An die unvoreingenommene Herangehensweise an die Kunst. Erst nach einem Ausstellungsbesuch liest sie etwas über diejenigen Werke, die sie brennend oder auch überhaupt nicht interessiert haben. Immer verändern diese externen Informationen die Sichtweise auf die Kunst, manchmal im Positiven, manchmal auch im Negativen. Während unseres Gesprächs stellt die Galeristin mir die rhetorisch gemeinte Frage: Warum sollte man sich den ersten Eindruck, die erste intime Begegnung mit der Kunst, durch einen Text kaputtmachen?

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Marcela Kozlik, Foto Michael W. Driesch

Marcela Kozlik verfolgt mit ihrer MMK Gallery ein ebenso simples wie radikales Konzept und stellt sich damit diametral gegenüber der Konzeptkunst auf: Im zweimonatlichen Turnus will sie sogenannte Mixed Visual Art sowohl von renommierten als auch von unbekannten Künstlern in Gruppen- und Einzelausstellungen zeigen – und zwar ohne den Namen der Künstler, die Titel der Werke, die Künstlervitae, ohne also den Kontext zu offenbaren. Der Fokus liegt somit ausschließlich auf der Kunst, die „um ihrer selbst willen“ betrachtet werden soll. Enthüllt wird auf der Finissage oder aber beim Kauf. Das Einzige, was die Arbeiten als Kunst definieren soll, sind die circa 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche der Galerieräume in der Hüttenstraße 41.

Aufblätterer

Den Kern einer Persönlichkeit findet man für gewöhnlich in ihrem Inneren. Möchte man diese sezieren und komprimiert nach außen kehren, kann die dritte Dimension durchaus hilfreich sein. Der Bildhauer Tobias Nink, Student an der Düsseldorfer Kunstakademie, nennt das Verfahren trocken „nach außen quetschen, was innen drin ist“ oder „aufblättern“. Nach eher formalen Keramikobjekten, die noch daran erinnern, dass er bei Tony Cragg studiert hat, überraschte er seinen Professor Ende letzten Jahres mit ganz anderen Arbeiten, die mich dazu veranlasst haben, mich näher mit seinen Werken zu beschäftigen.

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Tobias Nink, Foto Michael W. Driesch

Auf den jungen Künstler bin ich während des Besuchs einer Skulpturenausstellung der Galerie Anette Müller aufmerksam geworden. Die Galerie, die im März dieses Jahres eröffnet wurde, hat sich auf junge Nachwuchskünstler der Bereiche Malerei und Bildhauerei spezialisiert. Eine Arbeit dieser Ausstellung hatte es mir besonders angetan: Sie bestand hauptsächlich aus einem Schrank von Tobias Ninks verstorbener Großmutter, den er in der Wohnung stehen gehabt, der ihm jedoch als bloßes Möbelstück in Gebrauch nicht gefallen hatte. Eines Tages beschloss Nink, den sentimentalen Wert des Schrankes künstlerisch sichtbar zu machen: Er erklärte den Schrank zum Material und begann damit, ihn zu sezieren und neu zusammenzubauen. Betrachte ich das Kunstwerk, kann ich zwar noch erkennen, dass es sich einmal um einen alten Schrank gehandelt hat – einen ähnlichen hatte meine Großmutter ebenfalls besessen. Aber die einzelnen Elemente befinden sich nicht mehr an ihrem Platz und überhaupt ist es kein Schrank mehr, denn er hat weder die entsprechende Form noch kann man ihn an irgendeiner Stelle öffnen. Im Gegenteil,

Kunst + Geld = Egal?

Auf Reisen in Ländern mit an Inflation erinnernder Währung habe ich, metaphorisch gesehen, manchmal das Gefühl, auf meiner Stirn ein Schild zu tragen. Ein Schild, auf dem in der entsprechenden Landessprache steht: „Bitte melken.“ Und genauso selbstverständlich, wie es für einen Tuk Tuk-Fahrer ist, von mir aufgrund des Reichtums meines Herkunftslandes einen höheren Preis zu verlangen, ist es für mich, zu handeln. Wenn ich dann sehr engagiert um 175 Sri-Lanka-Rupien oder gar 28.050 vietnamesische Dong feilsche, vergesse ich allerdings manchmal: Für mein Gegenüber geht es um eine bedeutende Summe. Für mich um einen Euro. Wenn ich den verliere, merke ich es womöglich nicht einmal. Alles ist bekanntlich relativ.

anke-ernst_index-kunstmagazin_düsseldorfÄhnlich, auf einer finanziell höheren Ebene, fühlt es sich vermutlich für jemanden an, der bei einer Kunstauktion in 10.000er- oder gar 100.000er-Schritten mitbietet. Er „verliert“ 10.000 Euro und merkt es nicht einmal. Das heißt, er besitzt neben den Kunstwerken mindestens ein Eigenheim, sicherlich mehr als zwei Fortbewegungsmittel der Luxusklasse und verfügt über ausreichend Nahrung, Kleidung, Schmuck sowie jede Menge modernstes Unterhaltungszubehör.