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Was macht denn die Kunstkritik?

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Essay erschienen im Sammelband Mythos Kunst (Link zu amazon).

 

Rezensionen

Passend zum Thema Kunstkritik lese ich eine brillant geschriebene Analyse der gegenwärtigen Lage der Kunstkritik von Anke Ernst in dem empfehlenswerten Buch “Mythos Kunst”, erschienen kürzlich in der Edition Maxlin des Grupello Verlages, Düsseldorf. Empfehlenswert, weil es ein wenig Licht hinter die Kulissen des Mysterienspiels “Kunst” wirft. Interessant in Ernsts Essay sind vor allem die beiden Kapitel zum “Mythos Kunst”, die zugleich klar machen, wie schwierig es ist, die vielen Verzweigungen des Kunst-“Mythologischen” einigermaßen plausibel zu entwirren. Andererseits ist die Beziehung von Mythos und Kunst eine äußerst komplexe. Früher waren mythologische Themen der Stoff der meisten Kunstwerke (bis Mitte des 19. Jahrhunderts), dann hat die Kunst, genauer haben ihre Mythogogen einen Mythos geschaffen, der mit der ursprünglichen Bedeutung des Mythos so gar nichts zu tun hat, gleichwohl davon partizipiert (hier verlassen ich jedoch das Feld der Kunst). Kommt noch erstens hinzu, dass es Kunstkritik als Haupterwerbszweck wohl nur in ganz selten Fällen je gegeben hat und zweitens existiert seit der Erosion des normativen Kunstbegriffs kein allgemein verbindlicher Kunstbegriff mehr. Und im Pluralismus der Kunstäußerungen heutzutage wird er auch nicht zu finden sein. Daher fehlen auch die Kriterien für ein verlässliches Urteil, es sei denn, in kommerzieller Hinsicht. Anke Ernst entlässt ihre Leser mit einer Art Forderungskatalog an die Kunstkritik, über den man streiten kann, von dem ich auch vieles unterschreibe. Was ich vermisse in der gegenwärtigen Kunstkritik ist Leidenschaft, Engagement (Liebe zur Kunst, schreiben die Brüder de Goncourt) und vor allem Courage, konkret, ein subjektives Urteil mit einleuchtenden Begründungen, selbst auf die Gefahr hin, dass sie nicht standhalten können. Außerdem vermisse ich die Geschichten, von denen einige am Ende Geschichte werden. Wenn Du die Legen de kennst und die Wahrheit weißt, druck die Legende, sagt sinngemäß der Redakteur zum Volontär in John Fords “The Man Who Shot Liberty Valance.” In Sachen Kunstschrifstellerei eine zweifelhafte, aber nicht falsche Empfehlung. Anke Ernsts Essay ist unbedingt lesenswert, und man liest ihn in einem Zug.
Klaus Honnef, Kunstkritiker
26. Juni 2014

Im Düsseldorfer Grupello Verlag, Edition Maxlin, ist der von Michael W. Driesch herausgegebene Band “Mythos Kunst” erschienen, in dem es um Fragen der Ökonomie geht, aber auch um Fragen der Kunstkritik (von Anke Ernst souverän vorgetragen) sowie um Probleme rund um das Thema Echtheit/Fälschung (von Linus Wörffel faktenreich berichtet). Alles in allem: 190 Buch-Seiten Volkshochschule auf hohem Niveau; für Insider nur bedingt empfehlenswert.
informationsdienst KUNST, Nr. 556, Seite 16
26. Juni 2014

 

Fakten und Kauf

Michael W. Driesch (Hg.) (2014): Mythos Kunst, Düsseldorf.

Broschiert, 192 Seiten
Grupello Verlag, Auflage 1, 23. April 2014
ISBN: 978-3-89978-500-5

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Über das Buch

Kaum etwas ist polarisierender als der Kunstmarkt. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „Kunst“? Wer ist denn wirklich und endgültig ein Künstler? Und wer hat nicht schon vor einem Kunstwerk gestanden und sich gefragt: „Was soll das denn?“

Die Frage, was denn Kunst eigentlich sei, ist unbeantwortet. Wie kommt es aber, dass die Kunst dennoch in unserer Gesellschaft so eine große Rolle spielt? Wie ist es möglich, dass ein einziges Bild für über hundert Millionen Dollar versteigert wird, ohne dass es aus purem Platin mit Diamantenrahmen besteht, sondern nur aus altem Holz, alter Leinwand und alter Farbe? Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die schönen Bilder der netten Malerin von nebenan nur ein paar Hundert Euro kosten, während die gleiche Bildergröße bei einem der Malerstars gleich tausendmal mehr kostet, obwohl dessen Bilder für Ihre Augen nicht ansatzweise so schön sind? Wer bestimmt, was Kunst ist, und was eher kunstgewerbliche Dekoration zu sein hat? Eins sei vorab verraten: weder der liebe Gott noch die werte Frau Bundeskanzlerin.

Dieses Buch möchte den Mythos der Kunst beleuchten – auch um zu helfen, Kunst mit entspannteren Augen zu sehen. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, sollten Sie wissen, warum manche Kunst „groß“ ist und warum Sie das durchaus anders sehen dürfen. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, sollten Sie wissen, welche Mechanismen dazu führen, dass viele Kunstwerke scheinbar nicht die Leinwände wert sind, auf denen sie gemalt sind, andere jedoch so viel Geld kosten, dass man Tausende von Straßenkindern in Südamerika davon unterbringen, ernähren und ausbilden könnte. Und wenn Sie dieses Buch gelesen haben, sollten Sie wissen, ob Künstler Wesen von einem anderen Stern sind oder ob sie einfach einem Beruf in einem etwas anderen Umfeld nachgehen.

Es liegt diesem Buch fern, den Akteuren in dieser spannenden Welt auf die Füße treten zu wollen. Aber es möchte dem Mythos, der Kunst umgibt, ein wenig die Kraft nehmen.