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Familienleben

Und ich dachte immer, Saris bestehen aus kunstvoll gefalteten Stoffen!

Sadana konnte bei meiner Ankunft ihr Glück kaum fassen und schlug mir im Fünfminutentakt neue Aktivitäten vor. Setzen, das Haus zeigen, essen, Fernsehen, aufstehen, Tee trinken, Volleyballspielen, den Beautysalon ihrer Mutter präsentieren, den Garten ihres Vaters zeigen. Wir haben das alles tatsächlich vor der Dämmerung unter einen Hut bekommen.

Im Garten vermutete ich Rosen bei einem Strauch, an dem Chilis wachsen, und bewunderte die helllila-weißen Auberginen, die Bohnen, die so lang wie mein Arm waren, und die Ingwerpflanze, deren Knolle der Vater vor meinen Augen ausgrub und dann daraus einen hammer Tee machte. Vor der Dämmerung, Bimsaraní hing mittlerweile ununterbrochen an meinem Arm, wurde mir im Beautysalon ein Sari angezogen und professionellst drapiert. Auch wurde ich mit entsprechendem Schmuck behängt. weiterlesen

Einbürgerung

Einbürgerung unter buddhistischen Flaggen.

Meine neue singhalesische Familie ist stolz darauf, von Löwen abzustammen (Sihala = Löwe). Sie sind auch Teil der obersten Kaste, die ursprünglich im Dienste des Königs standen. Obwohl sie einen sehr modernen Eindruck auf mich machen und mich nicht nach meiner Kaste fragen (wie auch), spüre ich, dass sie sich sehr wohl ihres Status bewusst sind.

Aber erst mal wusste ich davon nichts. Während des des buddhistischen Festes, auf dem ich sie zum ersten Mal traf, ging alles von Sadana, der mittleren Schwester aus. weiterlesen

Spirituelle Handybedienung 2

Eine Wahrsagerin begegnete uns als nächstes. Sie legte für mich Karten (für Nachmacher: es waren ganz normale Skatkarten) und sagte mir voraus, dass ich demnächst im Beruf erfolgreich sein und viel Geld verdienen werde. In der Liebe würde ich leider weniger Glück haben (ich finde, kommt drauf an, wie man’s sieht): Erst in sieben Jahren würde ich heiraten und zwar einen sieben Jahre älteren Mann von großer Statur und mit länglichem Gesicht. Aber was auch immer Negatives meinen Lebensweg beschatten könnte, für einen Dollar konnte ich ihm ausweichen. Eine weiße Kordel mit zwei Knoten – einer davon dient dem privaten Glück – ziert jetzt mein linkes Handgelenk und bietet mir spirituellen Schutz vor jedweder Art von Unheil. Sieh Dich vor, lieber Arbeitsmarkt, ich bin gewappnet.
Kleiner running gag am Rande: Während der ganzen Prozedur knipste unser rauchender Mönch immer wieder von uns Bilder.

Ernster wurden wir, als wir mit einem einheimischen, selbsternannten, aber kundigen Führer durch die Killing Caves kletterten. 700 Menschen ließen dort in den 1970er Jahren ihr Leben.

Heute kann man im angrenzenden ehemaligen Gefangenenlager für die Opfer beten.

Es war leider schon fast dunkel, so dass wir nur noch Umrisse erkennen konnten. Aber es wurde uns dennoch sofort klar, warum die Roten Khmer gerade diese Stelle für das Töten ihrer Feinde – oder sagen wir: der kambodschanischen Bevölkerung – ausgewählt hatten. Die Felsformation ist makabrerweise so angelegt, dass man die Opfer nur von einer Art Klippe herunterstoßen braucht. Wenn unten genug Menschen liegen, kann man sie ohne große Mühe beiseite und Platz für neue Leichen schaffen. Heute zeugen aufgestapelte Originalschädel und -knochen von dem Massaker.

Künstlerische Verarbeitung der systematischen Tötung.

Unser Führer nahm uns dann auf seinem Roller noch mit zu einer Naturattraktion. Zu dritt auf seinem Gefährt gequetscht konnten wir uns besonders gut unterhalten. Dabei erzählte uns der Zwanzigjährige in erstaunlich gutem Englisch, dass er seit einem Jahr besagte Fremdsprache lerne und vorher noch nie zur Schule gegangen sei. Seine Familie hätte sich das einfach nicht leisten können – sie kostet schließlich zehn Dollar im Monat. Jetzt macht er eine vierjährige Ausbildung zum Touristenführer und arbeitet nebenher schonmal illegal als solcher.

An unserem Ziel angekommten konnten wir beobachten, wie aus einer Felsformation während der Dämmerungszeit eine Stunde lang ein zwei Meter breiter Strom Fledermäuse herausfliegt. Bitte stellt Euch das bildlich vor: Eine Stunde lang kann man zwei Mal täglich einen riesigen Fledermausschwarm am Himmel beobachten! Ich frage mich, wie die sich tagsüber alle in ihren Höhlen stapeln.

Nachdenklich und bereichert fuhren wir in Mr. Dara’s Tuktuk zurück zum Hostel.
Danke, Kambodscha.