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Othello 2.0

Armen Hakobyan, Yulia Tsoi in “Othello”, Foto © Bettina Stöß/Stage Picture

Damals, zu Shakespeares Zeiten, war sie noch das gesellschaftskonstituierende Element: die Ehe. Heute sind Patchworkfamilien die Regel. Und trotzdem, die Dramatik, die Paarbeziehungen heraufbeschwören können, findet sich auch heute noch in Randnotizen der Nachrichten. Da ist der Mann, der seine komplette Familie umbringt, weil die Frau ihn verlassen will. Oder die Frau, die Selbstmord begeht, weil der Mann sie nicht so liebt wie sie ihn. Und alles ist die Eifersucht schuld, laut Shakespeare „das grünäugige Ungeheuer, das die Speise verspottet, von der es sich ernährt“ (spricht Jago in Othello III,3).

Auf sie haben die Choreografen Michelle Yamamoto und Denis Untila ihre Inszenierung von Shakespeares Othello im Aalto Ballett Theater Essen konzentriert: Die Eifersucht ist es, die Jago dazu bringt, Othello und Desdemona zu entzweien. Und in Eifersucht glaubt Othello, Desdemona getötet zu haben. weiterlesen

Was sehe ich warum?

Eindruck aus der Produktion “Proximity” (2013) des Australian Dance Theatre, Foto Chris Herzfeld

Wie beschränkt unser Blickwinkel ist, zeigte der Einsatz von Kameras über und neben der Bühne sowie, statt Bühnenbild, ein überdimensionaler Bildschirm, auf den die Aufnahmen in Echtzeit projiziert wurden. Bald schon erkannte ich, wieso mein Hirn die Massen an Informationen, die sekündlich auf es einströmen, aussortiert: Die Darbietung Proximity des Australian Dance Theatre zwang mich dazu, mich konstant für Perspektiven zu entscheiden. Und das war ganz schön anstrengend.

Im Rahmen des Festival TEMPS D’IMAGES 2012 im tanzhaus nrw (Düsseldorf) zeigten neun Tänzer in 60 Minuten unter der künstlerischen Leitung von Garry Stewart eine beeindruckende Bandbreite an Bewegungen des zeitgenössischen Tanzes. Aber, ein neurowissenschaftliches Thema tänzerisch umgesetzt? Bildtechnologie war das Schlüsselwort. weiterlesen