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Gut zu wissen!

Als kultivierte Akademikerin gehe ich direkt am ersten Tag in das Auckland Museum (nein, das war nicht Plan B nachdem ich die Fähre verpasst habe). Folgendes habe ich gelernt und ich hoffe, es wird irgendwann beim unnützen Wissen von NEON veröffentlicht oder dass ich bei Herrn Jauch gefragt werde:

1) Der Kiwi (also das Tier) legt die größten Eier, wenn man das Ei in Verhältnis zur Körpergröße des Vogels setzt.

2) Der Kontinent Gondwana beginnt, sich vor 170 Millionen Jahren zu teilen. Vor 110 Mio. Jahren löst sich Indien von diesem Kontinent und kollidiert mit Asien. Vor 100 Mio. Jahren ensteht der Atlantische Ozean. Vor 90 Mio. Jahren teilt sich Neuseeland vom Rest und deshalb gibt’s hier keine Schlangen. Das halte ich für eine sehr wichtige Information. Vor 66 Mio. Jahren fällt ein Meteorit auf die Erde und löscht tausende Arten aus, darunter auch die Dinos.

3) Geschichte und Kultur der Maoris lassen sich in Namen und Geschichten nachvollziehen – anhand sogenannter maorischer Wortfossilien. Archäologen haben hier keine Chance, wohl aber Sprachwissenschaftler.

4) Neuseeland heißt auch Aotearoa.

5) Der maorische Name der Nordinsel gibt mir ein Rätsel auf. Auf Maori heißt sie „Te Ika a Maui“, also „Mauis Fisch“. Wenn man sie von oben betrachtet, sieht sie auch tatsächlich so aus: Der Kopf zeigt Richtung Süden, Wellington Harbour ist der Mund, Lake Wairapapa ist das Auge, Lake Taupo das Herz, Northland der Schwanz. Wie konnten die Maoris das bloß ohne Flugzeug feststellen?!?!

Nachdem ich all das gelernt habe, gehe ich rauf in die dritte Etage. Was für eine andere Welt! Hier werden die beiden Weltkriege und die Beteiligung Neuseelands daran anschaulich belegt. Außerdem die Kriege der Briten gegen die Maoris. Nichts als Gemetzel, sobald der Mensch mit seiner Ratio auftaucht.

Dieser Eintrag soll aber nicht traurig enden, daher stelle ich Euch noch einen interessanten Künstler vor, den ich zufällig hier entdeckt habe. Sein Name ist Ivan Clarke, seine Sammlung heißt The Lonely Dog.

Station 2: Kiwiland

Eine normale Reise startet in der Heimat und endet nach einem Besuch des jeweiligen Landes in der Heimat. Meine Reise nach San Francisco endet in Neuseeland. Ich fliege einfach weiter! Wie cool ist das bitte!? Was nicht so cool ist: Hier ist Herbst und ich habe einen Tag meines Lebens verpasst. Und zwar den 6. April 2010. Ich habe diesen Tag einfach nicht erlebt. Irgendwie habe ich das immer noch nicht kapiert, aber so ist es. Ich bin in San Francisco am 5. April abends losgeflogen und am 7. April morgens in Neuseeland angekommen. Und das mit einem 13-Stunden-Flug.

Ich rede mir zur Beruhigung ein, dass ich diesen Tag den netten Neuseeländern geopfert habe. So freundliche Leute habe ich selten getroffen, und dann auch noch in so konzentrierter Form. Haben die keinen Scheißjob, keine Menstruationsbeschwerden, sind die nicht verheiratet? Selbst die Spürhunde am Flughafen wedeln fröhlich mit dem Schwanz. Und meinen Sekt habe ich im Flugzeug anstandslos bekommen.

Das Neuseeländische ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Ich habe fünf Minuten und die Pantomimekünste des Officers gebraucht, um das Wort „tint“ als „tent“ zu entlarven. Womit man aber immer weiterkommt: Einfach das Wort „kiwi“ verwenden, egal ob als Nomen (können die Einwohner Neuseelands, das Obst oder aber das Tier sein), Adverb oder Adjektiv (die Stewardess erklärte mir fröhlich, dass ich nun mein erstes „kiwi breakfast“ zu mir nehmen würde).

Der günstige Wechselkurs (1 € = 2 kiwi$) erlaubt mir tolle Einkäufe und die Hoffnung auf eine anständige Garderobe am Ende der Reise. Alte Klamotten ade! In der Euphorie bin ich fast überfahren worden, der Linksverkehr machts möglich.

Wir wohnen bei Chris, einem frischgebackenen CouchSurfing-Host, der jetzt schon süchtig nach „hosten“ ist und sich regelmäßig in der „last minute CouchSurfing-Gruppe Auckland“ rumtreibt. Gott sei Dank. Er hat uns ungefähr eine Minute bevor wir in San Francisco zum Flughafen mussten einen Schlafplatz zugesichert. Das war knapp.