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Extra-24-Stunden 2

Der wunderschön karibische Flughafen von Punta Cana (Dominikanische Republik)
Der wunderschön karibische Flughafen von Punta Cana (Dominikanische Republik)

(Fortsetzung von Extra-24-Stunden 1)

Der Flughafen in Punta Cana (Dominikanische Republik) ist privat und stellt Gepäck niemals automatisch durch. Seltsam, dass man das in San Juan nicht weiß. Jedenfalls stand unseres entgegen der Abmachung einfach da rum.

Auf meine Frage nach dem Grund dafür antwortete der desinteressierte Angestellte, mit einer Gegenfrage. Ob es unseres sei. Nachdem ich dies bejaht hatte entgegnete er: „Dann nehmen Sie’s doch mit.“ Und ging weg. Wie das immer so ist, wenn man die große Auswahl hat, nimmt man dann doch Altbewährtes – in meinem Fall griff ich auf meinen geliebten Backpack zurück und ließ das Gepäck der ahnungslosen Mitreisenden gnädigerweise stehen.

„Wir“, das war inzwischen der eingeschworene Quito-Kern bestehend aus zwei Studentinnen, einem Geografen, einem Künstler und mir. Bunt zusammen gewürfelt wie wir waren verstanden wir uns prächtig. Lag es an den ausgeprägten gemeinsamen Interessen? Condor zu verfluchen und auf uns aufzupassen gestaltete sich jedenfalls als sehr zeitintensiv.

Anke als Tom Hanks in "Terminal"
Anke als Tom Hanks in “Terminal”

Da wir einen sehr langen Aufenthalt hatten, der durch die Verspätung des Fluges nach Bogotá noch verlängert wurde, konnte ich die Angestellten des Flughafens eingehend beobachten. Hauptsächlich machten sie Pause und trugen das offizielle Schildchen zur Schau. Es waren sehr viele und um Gepäck haben sie sich eindeutig nicht gekümmert.

Wie fatalistischerweise erwartet verpassten wir den Flug von Bogotá nach Quito. Neues Hotel, neue Verzweiflung. Zum Glück waren die Kolumbianer besser organisiert und sehr freundlich. Leider auch nicht besonders pünktlich was am nächsten Morgen den Shuttlebus zum Flughafen betraf. Dass wir dann nur einchecken durften, weil ich, den Tränen nahe, den Angestellten fast anschrie und wir durch den Flughafen nur so rannten, wird in meiner Erinnerung wahrscheinlich nur noch eine Randnotiz sein. In dem Moment war es der berühmte Tropfen, der mein Verzweiflungsfass zum Überlaufen brachte.

Nach 60 Stunden kam ich dann endlich von Düsseldorf aus in Quito an.

Extra-24-Stunden 1

(Fortsetzung von Tötet Condor. Aber nicht den Vogel)

Ganz ehrlich, ich konnte mir nicht vorstellen, welches Hotel wohl kurzfristig so viele Menschen der Condor-Maschine Frankfurt – San Juan aufnehmen könnte. Es war das Hilton. Karibische Klänge empfingen uns, als wir den Palast betraten. Die Luft roch nach Meer, in einem der Säle fand ein Geburtstag statt, alle (bis auf wir Fertigen von der Reise) stöckelten elegant durch die weiten Flure.

Die Erwartungen an mein Zimmer waren entsprechend hoch. Und so sehr sie auch erfüllt wurden – die Kombination der Einrichtungsgegenstände mutete ein bisschen skurril an: Das Bett tarnte sich als ausziehbare Couch; Familienkühlschrank, Mikrowelle, Herd und Spülmaschine standen mir zur freien Verfügung.

Dass wir um 23:30 Uhr noch an die Rezeption bestellt wurden (für uns schon Morgengrauen) war eine Dreistigkeit von Condor. Die höhere: Der Weiterflug, geplant für vier Stunden mit ein Mal Umsteigen, wurde auf für die Fluggesellschaft finanziell günstigere 13 Stunden mit zwei Mal umsteigen veranschlagt: Von San Juan über Punta Cana (Dominikanische Republik), Bogotá (Kolumbien) nach Quito (Ecuador). Auch die stundenlange Gruppendiskussion mit der Verantwortlichen führte zu keiner Änderung. Diktator Condor hatte gesprochen. Dann hörten wir von Whitney Houstons Tod. Was für ein „Tag“.

Frühstück im Hilton von San Juan: die Vorspeise
Frühstück im Hilton von San Juan: die Vorspeise

Der nächste begann mit einem Traumfrühstück unter Palmen, mit Aussicht auf das Meer und einem Buffet von tropischen Früchten über selbstkombinierbarem Omelett und Pancakes. Ich hätte mehr Zeit gebraucht, um mich durchzufressen. Leider mussten wir los.

Tötet Condor. Aber nicht den Vogel

(danke an Jens für das treffende Zitat)

Das Hilton von San Juan
Das Hilton von San Juan

Es ist gar nicht so schwer, kostenlos 700$ Suiten zu beziehen. Auch nicht, exotische Stempel im Reisepass zu sammeln. Man muss dafür nur mit Condor von Düsseldorf nach Quito fliegen.

Die Airline wird alles dafür tun, die geplante Reisezeit fast zu verdreifachen, sodass man in 60 Stunden sehr viel von Lateinamerika sieht. Zumindest Flughäfen, Absperrungen, Pass- und Zollkontrollen.

Ich möchte aber nicht nur Condor die Schuld für meine Odyssee geben, sondern auch den Amerikanischen Behörden, die unflexibelsten Autoritäten seit Menschengedenken. Dank ihnen konnte eine erste Verspätung von zwei Stunden, die noch im Rahmen gewesen wäre, zu diesen Ausmaßen wachsen:

Naked in the U.S.A.
Naked in the U.S.A.

Trotz im Vorfeld erfolgtem Visumskauf für eine simple Durchreise (ESTA, 14$) durch Puerto Rico (!), mussten noch alle zehn Fingerabdrücke abgegeben sowie unangebracht persönliche Fragen beantwortet werden. Das in Schleife laufende Video mit der Botschaft „Welcome to the United States“ half da auch nicht mehr viel. Treffender und entsprechend sarkastisch brummelte es ein Mann hinter mir aus San Antonio:: „Bienvenidos a la fila“ (dt.: „Willkommen in der Schlange“).