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Paradise

Was ist ein Paradies? Das hier?

Es gibt sogar mehr als eine Schlange im Busch. Konnten die Viecher mich in Versuchung führen, es wieder zu verlassen?

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Paradies zu betreten. Das wäre zum einen als Besucher.
Hier eine kleine Beschreibung eines Tagesausflugs dorthin.

Das Jetboot holte uns morgens am Pier ab. Zwei konventionell betrachtet gutaussehende Männer (ich nenne sie mal kollektiv Johnny, da sie sich sehr ähnlich verhielten) halfen uns rein und erklärten uns die Sicherheitsmaßnahmen. An den Seiten des Bootes gab es für adrenalinsüchtige Menschen vier Plätze. Als keiner den vierten Platz einnehmen wollte, ging ich schließlich hin. Ich fühlte mich mutig, aber ich hatte nicht bedacht, dass die Fahrt ins Paradies eine Stunde dauert. Das bedeutete auch eine Stunde in gebeugter Haltung Festhalten an der Sicherheitsschlaufe (wie ich feststellte, sind Affen wirklich SEHR entfernte Verwandte von mir, sonst hätte ich wohl längere Arme, die in diesem Fall sehr sinnvoll gewesen wären). Fahrtwind zerwühlte meine Haare und ich dachte mit Schrecken daran, dass ich sie irgendwann wieder entknoten müsste. Aber diesen Gedanken ignorierte ich irgendwann und fühlte mich wie eine Walküre, die den Wellen trotzt. Meine heroischen Gedanken nur unterbrochen von den manchmal lustigen, manchmal peinlichen Witzen der beiden Johnnys.

Ja, und dann sah man es bald von weitem scheinen – das Paradies. Weißer Sand, fein wie Mehl. Klares Wasser, in dem sich der hellblaue Himmel spiegelt. Krokodile in mindestens einem Kilometer Entfernung. Die Schlangen im Wald versteckt. Juhu!
Es marschierten nur Militärkrebse, in Massen hin und her

in Klein-

und in Großaufnahme

und Möwen zeigten mit penetranten Annäherungsversuchen Interesse an unserem Mittagessen. Ansonsten war das Paradies leer, denn dank der Vulkanasche in Europa gibt’s in anderen Teilen der Welt kaum Touristenbetrieb. Die lustigen Herren, die jede Frau jedes Alters angruben in weiter Ferne, lief ich am Strand entlang und freute mich meines Daseins.

Später gingen wir an zwei verschiedenen Stellen schnorcheln. Auf dieser Reise lerne ich wirklich, wie toll Tiere sind und dass wir Menschen, obwohl wir nicht ihre Sprache sprechen, dennoch mit ihnen kommunizieren können. Ich schwamm mit einem Schwarm Zebrafischen und grüßte außerdem u.a. Regenbogenfische, Clownfische sowie einen Fisch, der ebenso groß war wie ich. Die Meerbewohner hatten keine Angst vor Menschen und freuten sich offensichtlich über Besuch. Besonders als Johnny sich einen Spaß daraus machte, mich mit Fischfutter zu bewerfen zeigten die lieben Tierchen eher Gier als Angst. Ich konnte gar nicht schwimmen ohne sie zu treten.

Welche ist die zweite Art, das Paradies zu betreten? Man könnte dort bleiben. Man könnte ein Johnny (bzw. eine Johnnin) werden, der jeden Abend eine andere Touristin im Bett hat. Originalzitat: „Oh yeah, we had some good German lessons last night.“ (Ich hätte ihn fast gefragt, wieviel er denn dafür blechen musste.) Der eine musste sich übrigens eine riesige Methastase entfernen lassen. Hautkrebs lässt grüßen. Ich glaube auch, dass sie täglich immer wieder das selbe sagen müssen und die selben Witze machen. Aber hiermit löse ich das ein, worum ein Johnny mich bat, während er versuchte, seinen Arm um mich zu legen: „Will you write about the handsome guy you met on the boat?“ Oh yes, my dear Johnny, I just did.
Zu ihrer Verteidigung muss ich aber auch schreiben, dass die Jungs wirklich nett waren. Ihr könnt ihnen ja in Gedanken ausgefallene, individuelle Nachnamen geben.
Und das sage ich nicht nur, weil Johnny auf der Rückfahrt mal so richtig zeigte, was er und das Boot so drauf hatten und wir deshalb im Raftingstil über die Wellen geradezu flogen. Man, hat das ein Spaß gemacht!
Nach 15 Minuten Kämmen habe ich es später auch geschafft, meine Haare zu entwirren. Der Besuch im Paradies hat absolut gehalten, was er verspricht, aber wir lernen trotzdem eine kleine Lektion fürs Leben: Gelegentliche Paradiesbesuche reichen für die Glückseligkeit aus.

Ein halber Tag in Brisbane

Solltet Ihr jemals nach Brisbane fahren, dann müsst Ihr unbedingt Sushi essen gehen. Wir haben einen Laden gefunden, in dem es eine ganze Sushirolle für zwei Dollar (etwas mehr als einen Euro) gibt. Für alle Miesmacher: Die Qualität war auch erstklassig, hähä.
Hier kann man auch besonders gut Schmuck mit Opalen kaufen. Von dem Edelstein befindet sich 99% in Australien und 1% in Brasilien. Also wer Steinaffin und in Brisbane ist: Ran an an den Stein!
Für alle Selbstmörder: Die hiesige Brücke ist dafür ideal. Außerdem schwimmen im Fluss Haie, so dass man den Tod betreffend doppelt abgesichert ist und der Stadt Bergungskosten spart. Tipp: Vor dem Sprung eine kleine Wunde zufügen.

Und noch drei Sachen, die nichts mit Brisbane zu tun haben, aber irgendwo möchte ich sie doch unterbringen:
1) Kricket ist nicht Baseball. Solltet Ihr den Unterschied nicht kennen, informiert Euch vor Eurer Reise nach Australien genauer. So rutscht Ihr nicht wie ich im Fettnäpfchen aus.
2) Bei akutem Heimweh geht am besten in den Aldi. Den gibt’s hier auch und er sieht fast so aus wie in Deutschland. Man kann sich dann vorstellen, dass man gleich rausgeht und die Straßenbahn nach Hause nimmt. (Ich kann es immer noch nicht fassen, dass mein erster und hoffentlich letzter Heimwehanfall in einem Aldi stattgefunden hat.)
3) Wir befinden uns nun nördlich von Rockhampton. Das bedeutet Krokodile. Ich habe mir schon verschiedene Szenarien ausgemalt, wie ich ihnen entkommen kann. Aber so blühend meine Phantasie auch ist, überleben würde ich ihre Fressattacken wahrscheinlich trotzdem nicht.

Pacific-Highway-Roadtrip-WG in Byron Bay

Unsere kleine extrem unterhaltsame Pacific-Highway-Roadtrip-WG lebt von den sehr unterschiedlichen Charakteren. Meistens lachen wir uns zu zweit über den jeweils anderen kaputt.
Da wäre zum einen Nori, gebürtiger Japaner, aufgewachsen in Australien. Seine Lieblingssätze sind – ganz australisch – „it’s OK“, „it’s alright“ und „no worries“. Sehr entspannend. Wenn wir nichts gemeinsam unternehmen geht er angeln und in die Kirche.

Kirche in Brisbane.

Außerdem gibt es da Mélanie, Französin, wohnhaft in Deutschland. Wenn wir nichts gemeinsam unternehmen geht sie shoppen und in Kunstausstellungen von Schizophrenen. Und dann gibt es natürlich noch mich, geboren in Togo und aufgewachsen in Spanien. Wenn wir nichts gemeinsam unternehmen gehe ich zum Yoga oder auf Soulkonzerte mit schwarzen Big Mamas als Sängerinnen.

In Byron Bay, am östlichsten Ort Australiens, haben wir dennoch alle drei unser Herz gelassen. Was für ein Paradies – für Hippies und andere Menschen. Kaum kamen wir an, entdeckten wir am Strand eine Trommlergruppe zu der sich jeder trommlerisch gesellen oder einfach nur zuhören konnte.

Dieser Ort ist voller kleiner Geschäfte, alternativer Medizin und entsprechender Heilmethoden, Wellness jeder Art, Bars, Cafés…. . Außerdem wurde dort vor kurzem ein Ashram gegründet, in dem man theoretisch leben kann. Dafür muss man täglich Yoga machen und meditieren, außerdem u.a. auf Drogen, Fleisch und Zucker verzichten. Falls ich keinen Job finde, überleg ich mir das mal und schreibe dabei meine Romane.
Nori konnte hier jedenfalls endlich ausgiebigst angeln gehen und war am Ende ziemlich erschöpft, worüber sich ein Holländer aufs Köstlichste amüsierte.
Und ich war endlich mal wieder beim Yoga. Einer der Yogis war ein typischer braungebrannter Surfer, der die kompliziertesten Verrenkungen vollbrachte. Was ich wirklich selten erlebe: Er war gelenkiger als ich! Jedenfalls beherrschte er auch die Yogawaage. Er klemmte seine Füße hinter dem Kopf zusammen und legte seine Hände ganz gemütlich auf sein Hinterteil. Die Lehrerin kam, um ihm bei der Entspannung behilflich zu sein und wiegte ihn hin und her, so dass er sich ein Mal um die eigene Achse drehte. Ich hab Tränen gelacht (ich weiß, ist nicht sehr yogisch).
Ich war sogar entgegen meines Schlafrhythmus’ morgens schwimmen. Der Strand ist hai- und quallenlos. Dafür gibt es super Wellen, an denen man sogar als Nicht-Surfer seinen Spaß hat. Übrigens hatte ich nach einer Stunde Strand trotz Sonnencreme mit LSF 30 schon einen Bikiniabdruck. Wahrscheinlich wäre ich ohne Creme schon völlig verbrannt.