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Trubel von außen

Nach dem kleinen Schwedenexkurs fliegen wir gedanklich auf einen anderen Kontinent und landen wieder in Sri Lanka. Hier waren wir stehen geblieben.

Nachdem ich mich – aus Zeitgründen – schwermütig von der Besichtigung des kulturellen Nordens Sri Lankas verabschiedet hatte, wollte ich mir wenigstens wie ein rechtschaffener Tourist Kandy anschauen. Bevor die Briten sich 1815 die Insel unter den Nagel rissen, war das nämlich die Hauptstadt des (letzten) singhalesischen Königreiches.

Nun war ich also wieder auf mich gestellt. Naja, fast. Meine neue Familie hatte mir ein Handy mitgegeben, auf dem sie mich verhältnismäßig häufig kontaktierten und mich fragten, ob es mir gut ginge (jetzt kann ich nachvollziehen, wie Kinder überfürsorglicher Eltern reisen). Auch hatten sie mir über Beziehungen ein Hotel namens Kandy Residence mit sehr netten Menschen darin besorgt. Radja, der Mann für alles, kümmerte sich rührend um mich und gab mir sogar seine Handynummer, damit ich ihn im Notfall anrufen konnte. Es fühlte sich zwar familiär, aber trotzdem professionell an. Das Zimmer war für Sri Lanka untypisch sauber, aber die Aussicht auf eine künstliche Rose erinnerte mich konstant daran, dass ich mich tatsächlich in Asien befand. Herrlich!

Kandy Residece_Kandy_Sri Lanka.
Asienkitsch: Künstliche Rose vor meinem Zimmer im Kandy Residence. Und das Zimmer war sauber.

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Mückenstichoptimismus

Zu Hause jucken Mückenstiche immer noch. Schwedens Abschiedsgeschenk, das übrigens gar nicht mal so übermäßig großzügig war, hätte ich freiwillig intensiver ausgekostet, um im Gegenzug nicht feststellen zu müssen:

Wir Zivilisierten haben alles zubetoniert. Überall blitzt und blinkt es. Musik ist nicht mehr so besonders, wenn sie immer verfügbar ist. Mein Blick trifft auf Häuserreihen, wenn ich weit gucken will. Die Sonne geht unter, ohne dass ich es bis zum Ende sehen kann.

Dalsland_Sweden_2013_©Anke Ernst

Bus und Fähren trugen uns erbarmungslos mit mehr oder weniger Speed zurück in die Zivilisation. weiterlesen

Zeitsinn

Wenn man dann angelegt, das Feuer gemacht und das Zelt aufgebaut hat, drängt sich auf einmal ein sehr wertvolles Gut auf: Zeit. Es fiel mir anfangs schwer, dem allgegenwärtigen Anspruch “Zeit muss sinnvoll genutzt werden” den Stinkefinger zu zeigen. Aber dafür gab es die anderen Gruppenmitglieder, die den Alltag Zuhause scheinbar mühelos wegschieben und sich dem reinen Spaß widmen konnten.

An unserem Ruhetag lag ich grübelnd in der Sonne, als sich vor mir ein Spektakel aufbauen würde, das mir für den nächsten Tag mehr Lach- als Paddelmuskelkater bescheren sollte: Die Jungs versuchten, eine Rutsche von einem Felsen ins Wasser zu bauen. Unten Schwimmwesten, darauf eine Plane, die irgendwie mehr Grip hatte als der Felsen. Um den Rutscheffekt zu erzielen, entfremdeten sie eine Schwimmweste zu einem ausgepolsterten Slip, sodass sie, zumindest untenrum, aussahen wie Sumoringer. Wenn einer rutschte, kippte ein anderer mit einem kleinen Kochtopf Wasser hinterher. Die Proportionen waren etwas ungleich. War zunächst der Rutschenbau vorrangiges Ziel (und mir zu zielorientiert) gewesen, wurden die akrobatischen Einlagen und das Wegschmeißen vor Lachen zum Hauptinhalt.

Dalsland_Schweden_2013 © Anke Ernst
Waschen, vom Feuer abwenden, hilft alles nix. Du wirst durchgeräuchert wie ein Lachs.

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