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Quo vadis, Kunstakademie?

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Impression aus der Kunstakademie Düsseldorf, Foto Michael W. Driesch

Die Kunstakademie Düsseldorf blickt seit ihrer Gründung im Jahr 1773 auf eine lange Reihe Direktoren zurück. Jeder von ihnen, von Wilhelm Lambert Krahe (1773–1789) bis Tony Cragg (2009–2013), hat sie auf seine Weise geprägt. Von Anfang an wollte Letzterer den Posten nur für eine Amtszeit bekleiden, andere Bewerber gab es nicht und deshalb darf sich seit dem 1. August die US-amerikanische Bildhauerin und Installationskünstlerin Rita McBride mit der Ehrenanrede „Magnifizenz“ schmücken – so bestimmt es die Grundordnung der Akademie. Zeit für eine Bilanz.

Als ich noch studierte, und zwar ein vermeintlich brotloses geisteswissenschaftliches Studium, wurden des Öfteren Berufsvorschläge wie Taxifahrerin oder Platzanweiserin an mich herangetragen. Der härteste Kommentar war Folgender: „Wenn du später sowieso Kinder kriegen willst, ist es eine Unverschämtheit, dass du studierst. Du kostest den Staat nur Geld und sitzt nachher doch nur zu Hause.“ Über die Logik dieses Kommentars, sofern er eine enthält, lässt sich streiten, aber ich möchte es genau wissen: Wie viel Geld habe ich den Staat gekostet? Der Kulturfinanzbericht 2012 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder erklärt mir auf Seite 64, dass er im Jahr 2009 satte 6.200 € pro Student ausgegeben hat.

Vermutlich gibt es wenige Studierende an Kunstakademien, die noch nie in eine ähnliche Diskussion verwickelt worden sind. Dazu kommt, dass jeder Kunststudent im Jahr 2009 den Staat mehr als doppelt so viel kostete wie ein „gewöhnlicher“ Studierender – nämlich 13.700 €. In Nordrhein-Westfalen, so heißt es weiter in der Studie, sind wir sogar sehr viel ausgabefreudiger als in anderen Bundesländern: Die öffentlichen Ausgaben für Kunsthochschulen 1995 bis 2009 beliefen sich in NRW auf 94,2 Millionen Euro.

Künstler sind für eine Gesellschaft essenziell. Der Mensch braucht Ästhetik, mindestens im weitesten Sinne, sonst fehlt ihm ein Teil seiner selbst. Unsere Gesellschaft ist auf Menschen, die die Werte eines kritischen, unabhängigen Geistes, Ästhetik und Authentizität über diejenigen des finanziellen Erfolgs stellen, angewiesen. Oder um es mit den Worten einer Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf zu formulieren: „Künstler sind wichtig für die Gesellschaft, gerade weil sie Dinge reflektieren und ausdrücken, die zu reflektieren andere Menschen keinen Sinn mehr haben, oder die vielen Menschen verschlossen bleiben und die durch die Kunst vor Augen geführt werden.“

Dabei spielt Geld auch in der Kunstwelt eine wesentliche Rolle, und es liegt vermutlich an finanziellen Gründen, dass die Kunstakademie Düsseldorf im Laufe der Jahre immer mehr Studierende pro Jahrgang aufgenommen hat.

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