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Ankanut

Ich sag’s mal so: Unser Kanu kam immer als Letztes an. Es war glaube ich einfach zu schwer. An einigen Tagen hatte ich eindeutig das falsche Paddel. Der Wind blies immer ausschließlich gegen uns. Doch um ehrlich zu sein: Ich kann einfach nicht lenken und bin eine halbe Portion.

Wie lange noch? Eine Frage, die ich lieber nicht stellte. Besser einen Schlag nach dem anderen tun.
Wie lange noch? Eine Frage, die ich lieber nicht stellte. Besser einen Schlag nach dem anderen tun.

Ich wäre aber nicht ich, wenn ich aus dieser Erfahrung nicht überlebenswichtige Regeln ermittelt hätte, die ich Euch für den Ernstfall nicht vorenthalten möchte (die Delfinanlockungstaktik habe ich ebenfalls perfektioniert). Hier also die ©Lahmkanu-Anleitung (ich werde sie mir patentieren lassen):

  • Der Zickzackkurs. Auf diese Weise legt man eine doppelte Strecke zurück. Merke: Das Wasser reagiert langsamer als das Fahrrad. Sehr viel langsamer. Quasi genau dann, wenn man noch zwei Mal in dieselbe Richtung gepaddelt ist.
  • Das eine Links mit dem anderen Links verwechseln. Und dann gibt es ja auch noch dieses Rechts.
  • Analphabet sein: Zu den Lenkbewegungen gehören der C- und der J-Schlag. Man könnte sich dabei auch noch fragen, ob das C nach außen schauen muss oder nach innen.

Diese existenziellen Fragen gingen mir allesamt durch den Kopf, als uns ein anderes Kanu, deren Insassen zwar in diesem speziellen Fall auch nicht lenken konnten, aber leider wie immer weitaus rasanter drauf waren, durch eine Welle getragen auf unserem Kanu landete. Ich hatte die Option mich festzukrallen und unser Kanu mitzureißen oder halb fallend, halb springend im Wasser zu landen. Ein eigenartiger Instinkt, woher er auch immer kam, riet mir zu Letzterem. So schwamm ich dann in den verhältnismäßig hohen Wellen, meine Hose festhaltend, die sich dem Grund des Sees sehr verbunden fühlte. Zwei junge Helden unserer Gruppe wollten mich retten, doch stellen sie ihr Kanu leider in Wellenrichtung, sodass wir alle drei letztendlich im Wasser landeten. Um uns herum schwammen Honigmelonen und Küchenkram. Der Teamgeist war zu dem Zeitpunkt schon recht ausgeprägt, jeder half, wo er konnte, ich ließ Anstand Anstand sein und zog meine Hose aus, sonst hätte ich es nie zum Ufer geschafft. Ich werde nie wieder glauben, dass es auf einem See keine Wellen gibt. Als ich mich bei den beiden entschuldigte, kam nur ein begeistertes: “Endlich mal Abenteuerurlaub!” Bei Problemen aller Art wenden Sie sich bitte immer vertrauensvoll an mich.

So friedlich kann Kanufahren aussehen.
So friedlich kann Kanufahren aussehen.