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Mahlzeit

Tja, was erwartet man gemeinhin von einer Kanutour durch Schweden mit unbekannten Menschen, wenn man keine Ahnung hat? Ich halte mich meist getreu ans Motto “nichts”, aber letztendlich hat man ja doch einige Vorurteile irgendwo im tiefen Kämmerlein versteckt. Bei mir war es die Vorstellung, ich würde auf Sportskanonen und Menschen auf dem Esotrip treffen. Unser Bus sah jedoch so aus:

Dalsland_Schweden_© Anke Ernst

Einige Teilnehmer verwechselte ich mit einem Junggesellenabschied. Der Eindruck verstärkte sich, als sie auf der Fähre für jeden drei weitere Paletten Bier kauften. Es sollte sich herausstellen: Es reichte nicht. Zu ihrem Glück hielten wir gelegentlich in einigen Flecken erschlossener Landschaft an, wo sie sich neu eindecken konnten. Das Bier ist in Schweden jedoch sehr teuer und anscheinend nicht so lecker. So entstanden im Laufe der Zeit gruppendynamische Prozesse inklusive Tauschhandel mit “echtem” Bier und Massagen.

Obwohl diese Menschen Bier und andere Alkoholika wie Wasser tranken (ich wäre nach einem ähnlichen Konsum tagelang zu nichts mehr in der Lage), formierte sich die Gruppe zu einem überwiegend harmonischen Ganzen. Jeder half, wo er konnte: beim Holzhacken, Feuermachen, Kochen, Zelt aufbauen, Kanus ins Wasser hieven, Alkoholvorräte leeren.

Ich schloss mich einfach mal allem inklusive Letzterem an. Meine Lieblingstätigkeit war das “RumChillen”: Mitten auf dem See kommen alle Kanus zusammen, man hört ein bisschen Musik oder auch nicht, auf jeden Fall schaukelt es angenehm, die Sonne wärmt, es werden Witze unterschiedlicher Qualität gemacht und die Rumflasche wird rumgereicht.

Die erste private Tonne meines Lebens befindet sich im Kanu #4.
Die erste private Tonne meines Lebens befindet sich im Kanu #4.

Gleich danach entdeckte ich das Holzhacken für mich – und spiele seit meiner Rückkehr mit dem Gedanken, einen Holzbock auf meinem Balkon aufzubauen. Es wird wahrscheinlich an der Logistik scheitern.