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Über die Kuh zur Dusche

Alternative zur Dusche - der Dschungelfluss bietet sich an.
Alternative zur Dusche – der Dschungelfluss bietet sich an.

Es hat etwas gedauert, denn so eine tolle Website wie die meine baut sich nicht von allein auf. Aber jetzt ist sie da und somit auch die Zeit und vor allem die Plattform, weiter vom wunderschönen Sri Lanka zu berichten! Hier waren wir stehen geblieben – und weiter geht’s…

Die Sri Lankische Ausflugsversion: Schwimmen im Dschungelfluss. Zum Glück hatten die Mädels mir Klamotten mitgebracht, denn ich hätte mich in meinem Bikini dann doch neben allen anderen etwas nackt gefühlt. Auch in Sri Lanka wird, wie in Südostasien, in voller Kleidungsmontur geschwommen. Das Wasser war so klar, dass man es trinken konnte. Und sich darin baden auch, dazu wurde Duschgel gereicht. Anmerkung zur praktischen Seite: Natürlich ist man so vor neugierigen Blicken geschützt, aber es wird einem auch viel schneller, trotz der Hitze, kalt.  weiterlesen

Klaphecks Heimspiel

Konrad Klapheck: “Autobiographie”, 1983, Öl auf Leinwand, 229 x 370 cm, Foto Michel Nguyen, Prada Collection, Mailand, © Konrad Klapheck, VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Konrad Klapheck: “Autobiographie”, 1983, Öl auf Leinwand, 229 x 370 cm, Foto Michel Nguyen, Prada Collection, Mailand, © Konrad Klapheck, VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Konrad Klapheck (*1935), Vertreter der westdeutschen Nachkriegsavantgarde, wird in einschlägigen Lexika hauptsächlich im Zusammenhang mit seinen Maschinenmotiven erwähnt, die er zur Zeit des Impressionismus in „akribisch realistischer und scheinbar objektiver Manier“ malte. Aber so wie es zunächst den Anschein hat, ist es nie bei Klapheck – seine Maschinen sind nicht nur Maschinen, und er ist auch kein Relikt der Vergangenheit. Er lebt noch! Das Museum Kunstpalast spendiert ihm bis zum 4. August eine riesige Ausstellungsfläche. Ein Heimspiel für den Düsseldorfer, der seiner Stadt immer treu geblieben ist.

Die Auswahl der circa 40 Werke war sicherlich nicht leicht, an die 400 Bilder hat Klapheck bis zum heutigen Tag gemalt. Er präzisiert mit unverwechselbarer Stimme: 396. Am Ende des Jahres zähle er sie immer, das ertragreichste Jahr sei 1964 mit 28 Bildern gewesen. Seit die Mitschüler sich über das Selbstbildnis des 12-jährigen Konrad lustig machten, bleiben seine Werke für ihn intime Ergebnisse seines Schaffens; daher auch die Neigung, akribische Listen anzufertigen, um den Überblick zu behalten. Auch im Hinblick auf die Zukunft bleibt er präzise. Wenn Konrad Klapheck abends nicht schlafen kann, zählt er statt Schäfchen die Themen, die er noch malen möchte. Er komme nie weiter als bis zwölf, bevor er friedlich einschlafe.

Und so ist es nur konsequent, dass der Sohn zweier Kunsthistoriker, der von klein auf eine entsprechende Vorbildung inklusive Zugang zu einer umfassenden kunstgeschichtlichen Bibliothek genossen hat, die Kunstgeschichte systematisch fortführt: Merkmale der Industrialisierung mussten Eingang in die Kunst finden, beispielsweise durch die dokumentarischen Fotografien der Bechers, oder eben durch Klaphecks Malerei. Als der junge Konrad nach dem Zweiten Weltkrieg wieder nach Düsseldorf kam, malte er die städtische Zerstörung. Und er liebt immer noch das Mechanische, Präzise; Glanz und Schatten innerhalb derselben Form. Klaphecks Maschinen strahlen einen dokumentarischen, fast schon archäologischen Charakter aus, es gibt sie heute zum Teil nur noch beim Antiquitätenhändler, oder sie haben sich geradezu bis zur Unkenntlichkeit weiter entwickelt. Aber im Grunde ist das nicht wichtig, denn sie sind hauptsächlich lebendige Teile von Klaphecks komplexer mythologischer Welt: „Die zehn Hauptgegenstände meiner Malerei stehen in einer festen Reihenfolge, die durch ihre äußere Erscheinung und ihren Verwendungszweck bestimmt wird. Schreibmaschine und Nähmaschine führen die Gruppe an.“ Während die Schreibmaschine für die Kommunikation zuständig sei, sorge die Nähmaschine für das Körperliche. Der Wasserhahn diene dem „Wohle des Leibes“, die Dusche führe formal zum Telefon weiter. Die Ausführung seiner Theorie könnte noch seitenlang fortgeführt werden, aber wir erkennen jetzt schon: Dieser Mann hat ein eigenes Universum erschaffen, und wenn er nicht surrealistische Elemente in seiner Kunst einbauen würde, könnte man glatt vermuten, er sei im Herzen Beamter.

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Halkyonisch

Michael Kunze: “Schwarzorange/Asymptote”, 2011, Öl auf Leinwand, 290 x 230 cm, Privatsammlung, Foto Jochen Littkemann
Michael Kunze: “Schwarzorange/Asymptote”, 2011, Öl auf Leinwand, 290 x 230 cm, Privatsammlung, Foto Jochen Littkemann

Wenn der Name einer Ausstellung allzu kryptisch daherkommt, hat das oft zur Folge, dass selbst willige Besucher nicht mehr den Impuls verspüren, sich absichtsvoll dem Ausstellungsgebäude zu nähern. Bei Michael Kunzes Halkyonische Tage, so darf ich hinzufügen, handelt es sich darüber hinaus um etwas abschreckende Malerei. Trotzdem möchte ich eine Lanze für diese Ausstellung in der Kunsthalle brechen: Ja, this is deep shit, aber es lohnt sich, gedanklich einzusteigen, notfalls mithilfe des – oha – deutsch-englischen Faltblattes.

Man könnte sich im Vorfeld die Komplexität unserer Welt metaphorisch vor Augen führen. Wie bei einem dichten Gewebe ziehen sich Fäden und Verbindungen durch ihre Komponenten, selbst die abwegigste Konstellation ist über eine oder zwei Ecken möglich. Deshalb können wir uns auch zum Einstieg mit Friedrich Nietzsches Kopfleiden (auch: Migräne) befassen. Sicherlich traten diese nicht im Neunmonatsrhythmus auf, aber sie erinnern an Wehen, die letztendlich seine komplexen Gedankengänge „für Alle und Keinen“ hervorbrachten. Wenn der Körper nach all der Verleugnung seines Besitzers zugunsten geistiger Ergüsse endlich wieder die Aufmerksamkeit bekommen hatte, die er brauchte, folgten die, so nannte Nietzsche sie, halkyonischen Tage – jene Zeit, in der Körper und Geist in Einklang waren. Kaltes, mediterranes Dezemberklima begünstigte meist seine gesundheitliche Besserung und bescherte ihm eine tiefe Leichtigkeit, die wie eine Katharsis anmutete, wenn die Krämpfe und Schmerzen endlich nachließen und die Gedankengänge auf Papier gebannt waren. Halkyonische Tage kündigen also eine Zeitenwende an – die Frage ist nur: Wird jetzt alles besser oder ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?

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