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Milchreis

Nicht nur Volleyball, auch Kricket stand auf dem Programm. Dieses Spiel verwechsle ich gerne mal mit Baseball.
Nicht nur Volleyball, auch Kricket stand auf dem Programm. Dieses Spiel verwechsle ich gerne mal mit Baseball.

Zur Feier des ersten Tages als waschechter Gast in der Familie wurde zum Frühstück das Festessen Milchreis gereicht. Darauf freute ich mich wie Bolle (meine Blitzrecherche ergibt, dass Bolle einen “unentwegt amüsierfreudigen Mann aus dem (Berliner) Volk” meint, der Vergleich hinkt daher wohl etwas).

Eigentlich hätte ich es wissen müssen, aber manchmal bin ich ein bisschen naiv: Der Milchreis bestand aus Reis und Kokosnussmilch (superlecker); dazu gab es eine Paste aus Chili, rohen Zwiebeln und Salz. Auf nüchternen Magen. Ich fand die Geste natürlich so liebenswert, dass ich mir nichts anmerken ließ und mir tapfer den Bauch vollschlug. Dabei achtete ich auf einen hohen Reisanteil.

Danach wollte Bimsaraní Volleyball spielen. In der Hitze. In der Sri Lankischen Kleidungsmontur, die es Frauen nicht erlaubt, Schultern und Knie zu zeigen. Zusammen mit den Horden an Moskitos, die auf mich einfielen, könnt Ihr Euch meinen Zustand vorstellen. Ich schwitzte wie sonst was, alles juckte, das Chili brannte in meinem Magen und die körperliche Anstrengung sorgte mit allem anderen dafür, dass sich simples Volleyballspielen wie ein asiatisches Abenteuer anfühlte. Es hat irgendwo sogar Spaß gemacht.

Schulbesuch in Urapola. Die Architektur wäre für Deutschland etwas ungeeignet.
Schulbesuch in Urapola. Die Architektur wäre für Deutschland etwas ungeeignet.

Wie gestalten sich normale Tage in einer Sri Lankischen Familie? Eigentlich passierte dauernd etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, woran ich jedoch zu 100% teilhaben durfte. Dazu brauchte man nicht einmal das Haus zu verlassen. Alle halbe Stunde kam jemand Neues vorbei, dem ich vorgestellt wurde. Der Vater behandelte Leute in seiner Praxis, auch dem beizuwohnen wurde mir nicht verwehrt. Er war jedoch etwas unfreiwillig von meiner Seite, besonders als der Patient mit dem entzündeten Fuß kam, der mir bereitwillig diverse Perspektiven auf seine Wunde gewährte. Die Mutter und ihre Angestellte, die auch mit bei dem Picknick gewesen war, legten Schönheitskuren auf, diskutierten Hochzeitsvorbereitungen und ein Hochzeitsalbum, welches extrem schön und extrem kitschig gestaltet war, mit Sprüchen wie, ich paraphrasiere, “keine Sekunde vergeht, ohne dass ich mir Deiner Liebe gewahr bin”, “Deine Liebe ist wie mein Atem, müsste ich darauf verzichten, so stürbe ich”, und Ähnliches. Die Braut sah in Wirklichkeit nicht halb so schön aus wie auf den Bildern (Amma hat ganze Arbeit geleistet) und war zudem nun schwanger. Sie sah jedenfalls nicht so aus, als würde sie konstant Liebe atmen.

Kleines Bilderrätsel.
Kleines Bilderrätsel.

Weitere Aktivitäten: allen Deutsch beibringen, Singhalesisch lernen, Chili essen, Sadhanas Schulbücher angucken und eine kleine Japanischlektion erhalten, die Nachbarschaft kennenlernen, Blumen für den Buddha sammeln (sie dürfen nicht vom Boden aufgehoben werden und man darf auch nicht an ihnen gerochen haben), einen buddhistischen Tempel besuchen und Buddha die gesammelten Blumen opfern sowie Kokosnussölkerzen anzünden, wieder Volleyballspielen (der Vater verglich mich daraufhin mit einer Lady wie Margaret Thatcher, die in jeder Situation gut aussieht), Bimsaranís Schule besuchen. Und irgendwann schlafen. Das Ehebett der Eltern wurde für mich frisch bezogen und es war mir schon ein bisschen unangenehm, wie viel Platz ich im Vergleich zu allen anderen hatte: ein Zimmer für mich mit einem Riesenbett, während alle anderen sich auf zwei Zimmer mit insgesamt zwei Einzel- und einem Doppelbett quetschten. Aber es wurde kein Widerspruch von meiner Seite geduldet.