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Gesetze

Deko eines Schulhofs. Eine häufige Aussage, die ich von Sri Lankern aus stolzem Munde hörte: “We are not proud.”

Tag zwei. Die Familie schien meine Anwesenheit zu beglücken. Zumindest nahm ich das an, denn sie luden mich für den nächsten Tag auf einen Ausflug ein. Sadana fragte, ob ich auch wirklich kommen würde. Klar, um das Land kennen zu lernen war ich ja da. Und außerdem hatte ich die Familie auch langsam aber sicher ins Herz geschlossen.

Ich sollte unten auf der Straße auf sie warten, und da sie so sehr auf mein tatsächliches Erscheinen bestanden hatten, bemühte ich mich, sehr pünktlich zu sein. Ich war sogar etwas zu früh. Nur sie kamen halt sri lankisch später. Unterdessen übernahmen meine Unterhaltung zwei Polizisten, die zufällig an der einsamen Kreuzung am Dschungelstraßenrand Verkehrskontrollen durchführten. Seit etwa drei Monaten, so habe ich mir sagen lassen, besteht in Sri Lanka Helmpflicht. Faszinierend, dass sich so was in einem asiatischen Land durchsetzen kann. Jedenfalls sind die Mittel der Durchsetzung sehr asiatisch. Kaum kam einer mit seinem Kumpel hinten drauf ohne Helm auf dem Roller angefahren, wurde er angehalten. Aber die Polizisten zückten nicht etwa irgendein amtliches Formular. Erst mal wurde länger diskutiert und dann, höchst unauffällig, denn ich habe es nicht einmal gesehen, aber ich vermute es, wechselten ein paar Scheinchen ihre Besitzer. Sowieso ist die Polizei hier natürlich nicht mit der unsrigen zu vergleichen. Das wäre ein Kapitel für sich. Aber was ich sagen kann: Ich werde hier nicht nur von Tuktukfahrern, jungen Männern ohne sichtbare offizielle Bezeichnung oder Guides von der Seite angelabert. Auch Polizisten fragen mich gerne mal nach meiner Herkunft oder brüllen mir ein freundliches “Hello” und weitere Englischvokabeln der ersten Stunde hinterher.

Als “meine” Familie dann endlich kam, verabschiedeten sich die Polizisten fröhlich-bedauernd von mir und ich stieg etwas nervös in den mit bereits sechs Menschen – Vater, die drei “Kinder”, die Angestellte der Mutter und das Nachbarsmädchen – besetzten Pkw. Diese Form der Gefahr für den Verkehr ist offensichtlich noch nicht verboten worden, denn wir fuhren nach ein paar Grüßen rechts und links endlich los.