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Chili eint die Welt

Die Grundregeln des Lebens lernt man nirgendwo besser als auf Reisen: Alles ist vergänglich und wenn man nicht mehr weiter weiß, einfach einen Schritt vor den nächsten setzen. Im Zweifelsfall könnte dieser Schritt auch die Befriedigung eines Grundbedürfnisses beinhalten. In meinem Fall war das nach dem Aufwachen essen und eine neue, günstigere Übernachtungsmöglichkeit.

Die Beach Villa stand in meinem Reiseführer, die Zimmer gefielen mir aber nicht wirklich. Doch prompt holten die zwei Jungs in der Empfangsbude den Prospekt einer Eco-Lodge heraus. Entscheidende Argumente dafür: kostenloser Transport durch den Besitzer beider Häuser, keine Moskitos, schön, Ruhe, Dschungel. Dazu kam, dass ich nicht hoffen konnte, etwas Schöneres für mein Budget im touristischen Negombo zu finden. Gebongt. (Ich hätte diesen Entschluss jedoch bitter bereut, wenn der Dschungel nicht der Umweg zu einer tollen Begegnung gewesen wäre.)

Curry im Bananenblatt zum mitnehmen. Hauptbestandteile sind Reis, Zwiebeln und Chilli, hier außerdem mit Maniok.

Da ein Schritt aus dem Hostel vor lauter Regen zwanghafte Schwimmbewegungen nach sich gezogen hätte, blieb ich noch ein bisschen und lernte so Amid und Jeremy kennen. Vielleicht als das eigenartigste Trio aller Negombischen Zeiten machten wir uns auf den Weg, etwas zu essen zu finden. Amid, 25, nach acht Jahren aus der israelischen Armee ausgetreten, in welcher sie als Offizierin gedient hatte. Jeremy, 21, Praktikant einer Schweizer Bank. Und ich. Warum nicht. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie unter Reisenden Grenzen und Bretter vorm Kopf verschwinden und Platz machen für den Augenblick, in dem sich einfach drei Menschen begegnen und sich durch scharfe Currys kämpfen. Trotz Amids autoritären Befehl, NO SPICY CURRY zu servieren. Es gibt kein unscharfes Curry in Sri Lanka. Das serviert zu bekommen schafft nicht mal eine gestandene Offizierin. Auch nicht aus Israel. Auch nicht, wenn sie es acht Mal wiederholt. Auch nicht, wenn wir extra alle drei mit in die Küche kommen, um es noch mal zu unterstreichen. Und es ist auch dann nicht unscharf, wenn der Kellner es selbst probiert und das behauptet.