Navigate / search

DUS – CMB

Sri Lanka begrüßte mich mit optischen Reizen, dann kam der Regen.

Ich sah aus wie eine Backpackerin und mein Rucksack wog genau 9,9 kg. Meine Tante, die am Flughafen arbeitet, fragte mich, ob ich meinen ältesten Pulli angezogen hätte. Es ist nicht der älteste, aber derjenige, auf den ich im Zweifelsfall am ehesten verzichten kann.  Nachdem ich mich noch mit Zeitschriften eingedeckt hatte, ging’s auf nach Dubai. Dank Globalisierung fand ich dort meine ganz spezielle Wimperntusche, die ich vor dem Abflug nicht mehr geschafft hatte, zu kaufen. Vermutlich das letzte Mal Luxus.

Am Flughafen von Colombo angekommen blendete ich erst mal alle Madam-Rufe von Fahrern diverser Vehikel aus und orientierte mich. Dafür brauchte ich wie gewohnt lange, denn ich gehöre zu den Menschen, deren Orientierungssinn gen Null tendiert. Dann aber ließ ich mich von einem Taxifahrer ins nahe Negombo bringen, wo ich für meine erste Nacht im exotischen Sri Lanka ein Hostel gebucht hatte. Gute Wahl, der arme Mann stand seit sechs Stunden, also drei Uhr morgens, rum, bereit, jemanden irgendwo hinzubringen. Ich war an dem Tag seine erste Kundin und das machte ihm gute Laune und mir einen guten Preis: 500 Rupien (1 Euro sind etwa 160 Rs).

Prinzessin Tropicale

Mein Hostel hieß Silver Sands, war zwar nicht berauschend, aber schön, und hatte, wie der Reiseführer versprach, “verspielte Kolonnaden”. Es war darüber hinaus verhältnismäßig teuer, aus Deutschland hatte ich blöderweise keine Verhandlungstaktiken eingesetzt. Aber das war mir in dem Moment egal, ich fiel todmüde unter mein Moskitonetz. Bereit, mich in einen Stein zu verwandeln. Das klappte jedoch nicht so ganz: Ich hörte vielmehr dem Meer zu, wie es sich überschlug, dem Regen, wie er auf das Dach meines Hostels prasselte und wurde Zeugin eines Komplotts von Stromausfall und Ventilator, der für großzügige Transpiration meiner Haut sorgte. Entgegen meiner buddhistisch inspirierten Gewohnheit tötete ich noch einen Moskito. Ich schwöre, es war nur, weil er unter meinem Moskitonetz surrte. An meiner Hand klebte daraufhin Blut, vielleicht war es meins, vielleicht auch nicht. Die Laken waren jedenfalls auch punktuell damit befleckt. Ganze Kämpfe zwischen Stechmücke und Mensch wurden hier offenbar schon ausgetragen. Irgendwann fiel mein Körper trotzdem in den Schlaf, ungewohnte Umgebung hin oder her.