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Schicksal

Nicht nur das Tierreich Sri Lankas nahm mich herzlich auf. Meine Befürchtungen, einen frühen Tod zu erleiden, könnten neben ein paar Störungen in einem Bereich meines Hirns auch mit Freuds Erkenntnis zusammenhängen: “Bis zu seinem 30. Lebensjahr glaubt der Mensch, er sei unsterblich.” Waren das die ersten Zuckungen meiner nahenden 30er?

Bunte Fahrräder, Menschen in Weiß, buddhistische Rezitationen aus Trucklautsprechern und Tropenregen.

Ich durfte mit der Familie essen und mit auf ein buddhistisches Fest. Was für ein Zufall, gleich am ersten Abend! Kein Tourist weit und breit, nur sehr nette Sri Lanker, die mich anlächelten mit dieser umwerfenden Herzlichkeit und den auffallend häufig wunderschönen, edel geschnittenen Gesichtern. Niss’ Geliebte Amma (genau so hat sie sich mir vorgestellt, obwohl es “Mutter” heißt) lieh mir ein weißes Hemd, denn alle trugen an diesem Tag Weiß. Sogar ihr kleiner Rebellensohn, der mit 23 heimlich geheiratet hat und ihr und seinem Stiefgeliebtennun stets bemüht Wasser und Essen reichte. weiterlesen

Leben und leben lassen

Einer der Gründe für Niss’ Bau dieser Lodge ist sein Entschluss, nicht mehr zu töten, nachdem er 1978 in Uganda dem Sensenmann in Form von schießenden Militärs knapp entkommen ist. Für einen Buddhisten erschließt sich dieser Zusammenhang zwischen Dschungel und Nicht-Töten sofort – denn auch Moskitos sind Lebewesen. Und hier gibt es angeblich keine, so steht es im Prospekt und war für mich ein verlockender Anreisegrund. Es sind allerdings wohl keine, die Sri Lanker stechen. Zu ihnen zähle ich nicht und das riechen auch die Mücken.

Zivilisation? Nie gehört.

Grundsätzlich war hier so einiges nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Handtücher und die Bettwäsche rochen eigenartig, ich war mir nicht sicher, ob sie überhaupt gewaschen wurden. An dieser Stelle danke ich einem bestimmten Herrn, der mir empfahl, einen Bettbezug mitzunehmen.

Im Bad meiner gemieteten Hütte wohnten neben mir noch Ameisen, eine Nacktschnecke (die wie Loriots Nudel immer an einer anderen Stelle klebte) und die größte Spinne, die ich je gesehen habe. weiterlesen

Verhängnisvolle Jackfrucht

Ich schlief sehr schlecht. Zu groß die Aufregung, alleine in einem mir unbekannten Hostel zu sein, in einem völlig unbekannten Land, wenn mich am nächsten Tag ein mir unbekannter Mann abholt und in den Dschungel bringt. Und zu krass der Jetlag. Um genau zu sein, schlief ich von 23 bis 2 Uhr und von 6 bis 9. Dann klingelte mein Wecker und ich, die ich meinen eigenen Tod schon in diversen Szenarien vor Augen gehabt hatte, stand auf und fühlte mich wie auf dem Weg zur Guillotine. Mit dem Unterschied, dass ich sie sozusagen freiwillig gewählt hatte. Aber es gab ja nur eine Alternative: mich einbunkern, bis mein Flieger zurückging. Also doch keine.

Niss holte mich pünktlich ab. Zuerst hielten wir an einer Autowerkstatt, weil seine Tankanzeige kaputt war. Er empfahl mir, in der Bank nebenan Geld abzuheben. Das konnte nett gemeint sein oder auch eine Taktik, mehr Geld durch meinen Tod an sich bringen zu können. weiterlesen