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Nobelmaler

Hermann Hesse, 1927, Foto: Gret Widmann

Ein Schriftsteller mittleren Alters, bitterarm, bekommt von seinem Arzt, Josef Bernhard Lang, einem Mitarbeiter von C.G. Jung, aufgetragen, gegen seine Depression anzumalen. Im Tessin beginnt er dies, trotz immer wiederkehrender Selbstzweifel.

Schon wieder ein Künstler, dem sein ursprüngliches Medium nicht genug ist! Der sich auch in einer anderen Kunst versuchen will! Dieser Künstler hat jedoch nicht nur einzelne Miesepeter, sondern eine ganze Nation gegen sich. Vor und während des Ersten Weltkriegs ist er einer der wenigen, die sich gegen Nationalismus und Völkerhass aussprechen und dafür als „Nestbeschmutzer“ bezeichnet werden.

Hermann Hesses Malversuche beginnen zögerlich und bleiben voller Demut, wie seine Lyrik. Die Show stiehlt er niemandem, aber er verdichtet wie kein anderer Bilder zu einer einzigartigen Stimmung, wie sie auch in seinen Romanen und Geschichten zu finden ist: geistvolle, häufig melancholische Betrachtungen ländlicher Szenen, Tages- und Jahreszeiten, Blumen, Bäume, Berge. Nur er konnte den weisen, aber heute leider sehr klischeebeladenen Satz schreiben: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

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