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Klosterleben 3

Und die Rahmenbedingungen des Retreats? Die folgende kleine Anekdote beschreibt sie ziemlich treffend. Um zum Kloster zu kommen, musste ich durch die Mittagshitze erst an der Küste entlang, dann den Berg hochwandern. Als ich mir in einer kleinen Bar Wasser kaufte, fragte ich den Barmann, wie weit es noch sei und er meinte, auf der Straße würde ich noch 20 Minuten brauchen. Ich könne aber auch von seinem Garten aus den „Weg“ durch den Dschungel nehmen, dann wären es nur zehn. Faul wie ich bin entschied ich mich für letztere Option. Gut, die Moskitoschwärme und deren Attacken hätte ich mir denken können. Also ich meine, VORHER. Während ich da so in meinen Flipflops durchs hüfthohe Gras stapfte dachte ich kurzzeitig an Schlangen und stapfte ein bisschen fester. Ich dachte außerdem: „Man, Anke, bist Du paranoid.“ Hätte ich gewusst, dass den Berg nicht nur spirituelle Menschen, sondern auch Kobras und Skorpione bewohnen, ich wäre brav wie alle anderen die Straße raufgelaufen. Man lernt nie aus.
Jedenfalls durften wir keine Tiere töten, also auch keine Moskitos und so brauchte ich meine zwei Flaschen Antimückezeug sehr schnell auf. Dies lehrte mich jedoch so einiges was Zusammenleben mit Tieren angeht: Sie haben erstens keine Angst mehr vor Menschen und man kann sie in Ruhe beobachten. Zum Beispiel während der walking meditation, wenn es wirklichst nicht mehr geht und man mal was anderes sehen will.

Ready for the walking meditation.

Und zweitens tun sie den Menschen nichts an, was nicht ihrer Natur entspricht. Ein Tier würde nie einen Menschen grundlos angreifen. Und deshalb kann man das umgekehrt ruhig auch so machen. Fühlt sich nach ein paar Tagen sehr harmonisch an.

Die Lage des Klosters ist traumhaft. Von meinem Zimmer aus konnte ich durch Palmen hindurch aufs Meer runterschauen, es gab wie gesagt einen beeindruckenden Aussichtspunkt

und Nonnen und Mönche waren quasi unsere Nachbarn. Ich glaube, sie waren froh, dass wir da waren. Zu mir waren sie immer sehr nett – soweit man schweigend eben nett sein kann. Schließlich fegte ich auch während meiner working meditation ihren Weg, wofür ich Sorgfältige immer eine Stunde und 20 Milliliter Insektenschutzmittel brauchte.

Weg zu den Mönchen an der Klosterkantine vorbei.

Außerdem standen wir glaube ich noch vor ihnen von unserem harten Lager auf, nämlich um vier. Das letzte Mal wo ich um acht ins Bett gegangen bin, war ich fünf. Oder so um den Dreh. Diese Zeitplanung brachte natürlich meinen Essensrhythmus total durcheinander. Um sieben gab es Frühstück, um elf Mittagessen und um fünf Obst. Fertig. Ich hatte quasi ab zwei Uhr Nachmittags Hunger und fragte mich, wie die großen starken Männer das wohl aushalten. Übrigens saßen wir auch immer schön brav nach Geschlechtern getrennt, sowohl beim Essen als auch beim Meditieren.

Unsere Lehrer waren das Ehepaar Rosemary und Steve Weissman. Jeder für sich eine Persönlichkeit, und, was für eine Überraschung, sehr sympathische und engagierte Menschen. Empfahlen uns am Ende, einen Retreat pro Jahr zu machen. Ich glaube, ich habe jetzt erst mal genug. Aber wer weiß, in welcher Lebenssituation ich mich in einem Jahr befinde.

Immer schön im Jetzt bleiben.