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Lonely Planet … äh … Anke

Den Abschluss von Mélanies und meiner gemeinsamen Reise zelebrierten wir wir folgt:

Gut, dass ich vorher nicht wusste, dass Sicherheit bei dieser Freizeitaktivität in Vietnam nicht an erster Stelle steht. Ist aber alles gut gegangen und wir sind gesund wieder auf dem Strand gelandet. Alles in allem zwar ein nicht besonders repräsentativer, aber dennoch ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Zeit.

Nachdem ich mich wie eine Mama taschentuchschwenkend und an der Fensterscheibe des Busses Grimassen schneidend von Mélanie verabschiedet hatte, war ich alleine. Ein krasses Gefühl, wenn man bedenkt, dass ich seit drei Monaten fast 24 Stunden täglich mit ihr zusammen war. Gut, dass wir bereits zusammen ein super Hostel gefunden hatten, wo ich auch gerne blieb. Im Preis inbegriffen war ein leckeres all-you-can-eat-Frühstück und die Freundlichkeit der Angestellten. Da blieb ich dann und wurde gesund. Aß meistens und, wie ich finde, perverserweise italienische Pasta und ging an den Strand.

Alleinreisen hat eindeutig Nachteile. Abgesehen natürlich von den Offensichtlichen, wie Emotionen nicht teilen zu können und eben niemanden Bekanntes zu haben, mit dem man sich unterhalten kann. Am Strand musste ich es mir zur Gewohnheit machen, gelegentlich umzuziehen, da mich diverse Vietnamesen gerne beäugten und die besonders Mutigen die üblichen Fotos machen wollten. Ein Trick, den ich nach einem Tag herausfand: Sich ganz nah am Wasser zu platzieren, hinter die Liegestühle des Strandhotels. Blöd ist nur, wenn man gerne unter den Promenadepalmen im Schatten liegen will. Liebe Leserin, ich geb Dir zehn Minuten. Maximal.

Aber allein zu reisen hat auch Vorteile. Ich komme viel öfter mit Menschen ins Gespräch. Zum Beispiel mit den Supermarktangestellten, mit Buchverkäuferinnen, anderen Reisenden und natürlich mit den Kellnern und Kellnerinnen. In meinem Hostel wurde ich bevorzugt behandelt und mutierte zum Liebling des Personals. Ein Beispiel? Als ich wieder nach Ho Chi Minh City fahren wollte und bereits eine Stunde auf den verspäteten Zug wartete, kam ein Angestellter des Hostels extra zum ziemlich weit entfernten Bahnhof und brachte mir einige Klamotten, die ich eigentlich absichtlich dagelassen hatte. Und einen Zettel auf dem Stand, dass sie mich vermissen werden. Hach.

Irgendwann kam der Zug dann aber doch und die Fahrt streckte sich über den kompletten Tag. Eine Oma saß neben mir und war über mein Erscheinen nicht gerade begeistert. Ich weiß nicht, ob es am kulturellen Unterschied lag, aber ich hatte den Eindruck, sie sei eine verbitterte Alte und ich schätze, über mich hat sie nicht eben besser gedacht. Aber vielleicht war es auch nur, weil sie kein Englisch konnte, wie mir die zwei Jungs mir gegenüber später erklärten. Obwohl ich der Omi von meinem Obst anbot legte sie auffallend häufig den Arm über die gemeinsame Lehme, so dass ich kaum Platz hatte. Dann überkreuzte sie ihre Beine so, dass sie dauernd mein Bein berührte (und in Asien ist es unhöflich, mit dem Fuß auf jemanden auch nur zu zeigen!). Sie machte absolut keine Anstalten, mir in irgendeiner Weise zuvor zu kommen. Sogar ihre Sachen lagen zum Teil auf meiner Seite, so dass ich sowieso kaum Platz hatte. Ich dachte, dass ich das keine sieben Stunden aushalten würde, aber schließlich entdeckte sie zwei leere Sitze zwei Reihen hinter uns und legte sich dort schlafen. Später stellte ich fest, dass ihr nerviges Styroporbrett, das mein Beincomfort deutlich beeinträchtigt und das ich dauernd versehentlich mit dem Fuß angestoßen hatte, Eier enthielt.
Zum Glück habe ich kein Omelett draus gemacht.