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Asiatisches Gelbfieber

Machen wir uns nichts vor. Der vierte Versuch, meinen Haaren halbwegs wieder eine natürliche Farbe zu verpassen, hat meine diesbezüglichen Hoffnungen endgültig begraben.

Die Frau auf der Packung von Versuch Nummer zwei war keine Asiatin und so hoffte ich inständig, dass diese Coloration auch für Westler geeignet sei. Das Resultat: Gelbe Haare. Und wer meinen Blog aufmerksam liest wird folgendes feststellen: Es bestand absolut kein Unterschied zu vorher.

Versuch Nummer drei war eine Färbung einer bekannten amerikanischen Kosmetikfirma. Für den Ruf habe ich direkt mitbezahlt, aber meine Verzweiflung war größer als mein Wunsch zu sparen. Der Stromausfall im ganzen District 1 von Ho Chi Minh City war nicht eben hilfreich beim Auftragen der Farbe, aber ungleichmäßig war das traurige Ergebnis nicht. Ich weiß nicht, ob der Friseur in Hongkong meinen Haaren als kleine Zugabe ein seltsames Gelb-Gen hinzugefügt hat und sie nun einfach was Natürlichkeit angeht zu einem hoffnungslosen Fall mutiert sind, ob die tolle Kosmetikfirma einfach nur schlecht ist oder ob sie Produkte nur für Asiatinnen produziert, Fakt ist, dass ich weiterhin wie eine seltsam anmutende Leuchtboje durch den Orient reise.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Den vierten Versuch, der sie begraben sollte, startete ich in Nha Trang und vertraute dem Exilfranzosen Jean Lou meine Haare an. Die Voraussetzungen waren gut, wenn nicht gar hervorragend. Zum einen kennt er sich aus offensichtlichen Gründen mit europäischen Haaren aus, zum anderen versicherte er mir, 50 Jahre Berufserfahrung zu haben. Ich dachte mir, dass es schlimmer nicht werden könnte und setzte mich vertrauensvoll auf den angebotenen Stuhl. Wo ich schon mal da und in so guten Händen war, entschied ich mich Gott sein Dank zu einer Typveränderung und schlug ein rötliches hellbraun vor. Jean Lou war begeistert und machte sich sofort an die Arbeit. „Arbeit“ bedeutete offensichtlich, „an meinen Haaren reißen, bis es weh tat“ und den Rest seine vier Gehilfinnen machen zu lassen. Aber ich ertrug alles tapfer, um endlich der gelben Hölle zu entkommen.
Gut, dass ich braun als Farbe gewählt hatte. Meine Haare waren deshalb immerhin einen kleinen Deut dunkler, jedoch weit von der Farbe braun entfernt. Und: Meinen Kopf schmückt nun ein halbwegs natürliches Blond.

Wie lange ich jedoch die strohblonden Haare ertrage weiß ich nicht. Das nächste Mal beauftrage ich einen versierten Friseur in Deutschland mit der Rettung meiner Haarpracht. Wenn er jedoch auch nur annähernd Schlitzaugen hat oder Frohnzösisch spricht, werde ich Hals über Kopf wieder aus dem Salon stürmen.

Hinweise auf fähige Friseure im Raum Köln/Bonn, die den oben genannten Kriterien entsprechen, werden an dieser Stelle gerne entgegen genommen.