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Sinnliche Hauptstadt 2

3) Fischmassage.
Es gibt tatsächlich kleine Fische, die gerne menschliche Hautschüppchen fressen. Die Kambodschaner machen aus dem Symbiosedrang der Tierchen ein Geschäft und lassen Touristen ihre Füße in das Fischbecken hängen. Wenn das mal keine nachhaltige Wellness ist, von der jeder profitiert. Ich suchte mir natürlich das Becken mit dem Sonderangebot aus: 20 Minuten Öko-Fußmassage und ein Bier gratis dazu.

4) Das „Security Office 21“ (S-21) und die Killing Fields von Choeung Ek.

Ein Teil der fast zwei Millionen Menschen (immerhin über ein Fünftel der damaligen Bevölkerung), die zwischen 1975 und 1979 in Kambodscha ermordet wurden, fielen hier den Roten Khmern zum Opfer. Der Besuch der historischen Stätten ist auf nüchternem Magen und bei Kater nicht zu empfehlen.

Die meisten der 17000 Gefangenen von S-21 wurden außerhalb der Stadt in Choeung Ek ermordet und in Massengräbern verscharrt. Nur zwölf von ihnen überlebten. Eine riesige auf dem Gelände erbaute Stupa birgt heute an die 8000 Schädel und Gefangenenkleidung, um an die barbarischen Taten zu erinnern.

Als ich sie betrat, hätte ich mich fast zum zweiten Mal an diesem Tag übergeben. Ehrlich gesagt wäre mir persönlich ein künstlerisches Denkmal, meinetwegen auch ein seltsam modern verzerrtes, lieber, statt direkt mit den Originalschädeln und dem entsprechenden Geruch konfrontiert zu werden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Opfer tatsächlich der Ausstellung ihrer Körperteile zugestimmt hätten. Angesichts der traurigen Ereignisse unterdrücke ich die sarkastischen Kommentare, die mir in den Fingern jucken.
(Buchtipp: First They Killed My Father: A Daughter of Cambodia Remembers [dt.: Der weite Weg der Hoffnung] von Loung Ung.)

Sogar eine überraschend gute Tanzstunde konnte ich in der kambodschanischen Hauptstadt besuchen. Die Lehrerin sah absolut nicht wie eine Tänzerin aus, kam aus New York und hatte dementsprechend einen seltsamen Mischmasch aus unterschiedlichen Tanzrichtungen parat (hauptsächlich von Irene Dowd, Rudolf von Laban und Martha Graham), die sie an mir und zwei anderen Schülerinnen ausprobierte. Ihr Motto: Stärkt die Körpermitte, dann können Arme und Beine frei tanzen. Das war mir zwar schon vorher bekannt, aber sie zeigte und wirklich erstaunliche Übungen, um das ersehnte Ziel zu erreichen.
Für Nicht-Tänzer werden auf dem Marktplatz Aerobic-Stunden angeboten.