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Spirituelle Handybedienung 1

Auf einer solch langen Reise gibt es, man mag es kaum glauben, auch Gegebenheiten, die frustieren. Hauptsächlich handelt es sich um die folgende:
Egal wo ich mich befinde, es gibt jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde so viel zu entdecken! Aber manchmal brauche ich trotzdem – oder gerade deshalb – Ruhe. Ich weiß, ich klage auf hohem Niveau, aber es fällt mir oft schwer, beides zu vereinbaren.

Der Tag, von dem ich Euch heute berichte, war ein einziger Harmonieklumpen aus beiden Faktoren. Ich war ausgeruht, neugierig wie eh und je und obendrein boten sich mir viele interessante Eindrücke und Erfahrungen, die ich mit Euch teilen will.

Es ging schon mit Mr. Dara los. Das war der vom Hostel für uns bestellte Tuktuk-Fahrer. Ich schätze ihn auf Anfang zwanzig. Sein Hauptanliegen war unser Wohlergehen und er tat wirklich alles, um dazu beizutragen. Wir hatten schon vorher im Hostel bezahlt, daher konnte es nicht daran liegen, dass er so viel Geld wie möglich haben wollte. Er freute er sich einfach nur unglaublich, dass er an dem Tag Arbeit bekommen hatte (siehe “Wie Kambodscha überzeugt”, 25. Juni 2010). Und so hielt er während der Fahrt unaufgefordert für uns fotomanische Touristen, wenn die Aussicht besonders schön war. Als es anfing zu regnen, stoppte er und verwandelte das Tuktuk in eine kleine Kutsche mit Plastikwänden. Er lächelte die ganze Zeit und bemühte sich, sich mit uns auf englisch zu unterhalten. Am Ende des Tages übergab er uns seine selbstdesignte, in rührendem englisch geschriebene, bunte Visitenkarte. Deshalb möchte ich auch an dieser Stelle seine E-Mail-Adresse weitergeben, solltet Ihr nach Battambang kommen. Schreibt ihm, es lohnt sich: dara168_royal@yahoo.com.

Zwölf Kilometer außerhalb von Battambang steht mitten im flachen Land der Berg Phnom Sampeau. In seinen mystisch-natürlichen Hängen liegt ein Tempelkomplex eingebettet. Die Besteigung ist ein Fitnessprogramm für sich, aber die Aussicht lohnt sich allemal.

Wenn ich einen Tempel (oder eine Kirche oder einen anderen religiösen Ort) betrete, dann setze ich mich meistens vor den Altar (oder sein Äquivalent) und lasse das Ganze auf mich wirken. Es ist immer wieder in irgendeiner Form bereichernd. So auch dieses Mal. Ich zog meine Schuhe aus, betrat den heiligen Ort und setzte mich vor den für westliche Standards kitschig dekorierten und umrahmten Buddha.

Decke des Tempels.

Nach nur zwei Minuten kam ein Mönch und sprach mich an. Der Mann mit ausgeprägtem herzlichen Lachen lernt erst seit zwei Jahren englisch, aber irgendwie schafften wir es, uns zu verständigen. Stolz zeigte er mir sein sorgfältig geführtes Vokabelheft und erläuterte mir die verschiedenen buddhistischen Zeichnungen und die Fotos anderer Mönche, die zum Teil unter Pol Pot ermordet worden waren.

Einer der Tempel von Phnom Sampeau.

In dem Maße wie mich dieser Mönch mit seinem spürbar inneren Frieden beeindruckte, überraschte mich der nächste, dem ich begegnete. Der Novize wird vermutlich nicht lange im Kloster bleiben, denn besonders motiviert für das abgeschiedene Leben gab er sich nicht. Dankbar für uns, die Abwechslung, sprang er auf und führte uns, seine Zigarette immer noch in der Hand, durch eine dunkle, heilige Höhle. Die kambodschanische Comedy-Sendung auf seinem Handy leuchtete uns den Weg. Als Dank bat er lediglich um ein paar Fotos. Einmal nur ich, dann nur Mélanie, dann Mélanie und er, dann er und ich. Zwischendurch knipste er uns, wenn wir uns unbeobachtet fühlten und bot uns im Gegenzug Kippen an.