Navigate / search

Ich Kuh, Du melken

Kambodscha ist teurer als Thailand. Das bewirkt der Dollar, der hier ebenfalls Zahlungsmittel ist – nämlich das der Touristen. Wenn man eine Tour mitmacht, dann zahlt man mit Dollar, und man darf genau dort hin, wo sie einen auch hinlassen. Das beste Beispiel sind die Floating Villages in der Nähe von Siem Reap. Der Besuch lohnt sich nicht!

Mit einem Tuktuk wurden wir zum Steg gefahren. Und wir dachten noch ganz naiv, dass wir jetzt einfach so durch diese Dörfer paddeln können. Pustekuchen. Man muss für 10 $ pro Person ein Boot inklusive schmierigen Kapitän mieten (um fair zu sein: das „schmierige“ ist wahrscheinlich variabel), die bereits festgelegte Tour dauert insgesamt 1,5 Stunden. Davon geht die Hälfte an das langsame Tuckern bei ohrenbetäubendem Motor durch einen Kanal, an dessen Seiten Schlamm aufgestapelt ist. Das Wasser ist dementsprechend eine braune Suppe. Highlight sind die Häuser auf Pfählen, die das Ufer gelegentlich säumen und natürlich deren Bewohner, die in Hängematten lungern, Waren auf ihren Booten transportieren oder Touristen beobachten, „hello“ rufen und winken. Kinder spielen an den schlammigen Abhängen.

Endlich im Dorf angekommen, dessen „Boden“ tatsächlich aus Wasser besteht, durften wir nur die vietnamesische Schule von weitem anschauen und an einer Krokodilfarm anlegen, die gleichzeitig Bar und natürlich Souvenirshop ist. Besonders ans Herz gelegt wurde uns der Kauf von Stiften und Schulheften für die bereits erwähnte Schule.

So nah und nicht näher kamen wir dem Floating Village.

Ich weiß, dass die Kambodschaner Geld dringender brauchen als ich, aber es ärgert mich, wenn so eine blöde Touristengesellschaft ihre Kunden ausnimmt, wo doch eigentlich die einfache Bevölkerung das Geld viel nötiger hat. Dann frage ich mich, ob auf meiner Stirn „Kuh, die gemolken werden will“ steht. Auf der Dachterasse der Bar konnte ich wenigstens einige Worte mit ein paar kambodschanischen Abiturienten wechseln, die gerade ihren Abschluss feierten. Zeit, sie kennen zu lernen hatte ich aber nicht wirklich, die geplanten 1,5 Stunden der Tour durften schließlich nicht überschritten werden.