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My name is Anke. Wat, Angkor?

Es brauchte zehn Jahre und 500 Mann, um einen der kleineren Tempel der zu erbauen. Fast jeder Tempel hat seit dem 12. Jahrhundert die Verwandlung von Buddhismus zum Hinduismus und wieder zurück durchgemacht. Buddha versus Shiva, den Zerstörer, Vishnu, den Be und Brahma, den Schöpfer.

Buddha sieht alles.

Deutlich werden die Verwandlungen besonders gut anhand der Buddhafresken. Die Beine der buddhistischen Buddhas liegen parallel zum Boden, die hinduistischen Buddhas bilden zur Sitzgelegenheit einen 45°-Winkel. Wenn die „Ummeißelungen“ nicht so gut geklappt haben sieht es aus, als verwechsle der Meditierende seine Beine mit Flügeln.
Am Ende, zu Regierungszeiten des letzten Königs Jayavarman VII, waren beide Religionen akzeptiert. Vom Friedens der beiden Religionen zeugt beispielsweise eine Statue, halb Vogel, halb Mensch.

Der bekannteste der Tempel, Angkor Wat, ist zum Wahrzeichen Kambodschas geworden. Glaubt Ihr nicht? Dann schaut mal auf die Flagge.

Taphrom – so heißt der Tempel, der Angelina Jolie bei Tomb Raider als Kulisse gedient hat. In der Mitte wächst ein Bayon-Baum.

Die Hauptstadt dieser beeindruckenden Tempelanlage heißt jedoch Angkor Tom. Und dort wohnte auch der König. Der gesamte Tempel ist auf ihn ausgerichtet: Das Oberhaupt tritt immer von Osten ein. Die Durchgänge innerhalb des Tempels werden daher immer höher, je weiter man in das Innere gelangt. Die Eingänge der restlichen Himmelsrichtungen werden dagegen immer kleiner, denn der Eindringling muss, im Gegensatz zum König, Demut vor der Gottheit bzw. dem Buddha zeigen. Je näher er dem Spirituellen kommt, desto mehr soll er sein Haupt beugen, desto langsamer soll er gehen.

Die Wege zu den Tempel säumen immer Schlangen – auf jeder Seite eine. Ihhh! Das war meine erste Reaktion. Die zweite: Erstaunen. Die Echse, die uns aus dem Paradies gekickt hat, symbolisiert hier den Regenbogen und somit den Weg zum Tempel aka Himmel.

Phallussymbol. Wenn man Wasser durchfließen lässt und dann trinkt, schenken sie Fruchtbarkeit.

Dekofresken. Diese Frau hält Spiegel und Lippenstift in der Hand hält. Spirituell wertvoll.

Vorausgesetzt, das Dach ist nicht eingefallen, was durchaus wahrscheinlich ist, ist es im Inneren der Tempel angenehm ruhig (danke an die Nebensaison) und kühl (diese Hitze ist selbst für mich kaum erträglich). In den seltenen sonnengeschützten, dunklen Ecken sitzen meist geschlechtslose Alte, die bei Räucherstäbchen mysteriöse Worte vor sich hinmurmeln während sie ihrem Mitmenschen Bänder um das Handgelenk knoten. Manchmal frage ich mich, ob sie die Touristen nicht einfach ein bisschen auf den Arm nehmen (metaphorisch gesehen natürlich) und irgendein Kochrezept oder den Verdauungsstörungsbericht ihrer Enkelkinder in das Bändchen hineinbeten. Egal, meines ziert seitdem meinen rechten Arm.

Die Invasion der Bayon-Bäume. Sie zerstören das Kulturerbe, tragen aber auch zu einer einmaligen Ästhetik bei.

Unser Führer freute sich über unsere vielen Fragen. Grinsend machte er die Touristen nach, die er sonst so umherführt und die routinemäßig ausschließlich „ah“ und „oh“ sagen.

Das gleichermaßen berühmte und mysteriöse versteckte Gesicht ist eigentlich ganz klein. Der Zoom meiner Kamera hat sein Bestes gegeben.

Ich fragte stattdessen, wie der Plan für die Tempel gemacht wurde. Die Antwort entspricht nicht den westlichen Vorstellungen von Architektur: Mönche meditieren, um einen Eindruck vom Himmelreich zu erhalten. Wenn sie geistig wieder unter Menschen weilen zeichnen sie diesen auf. Das ist dann die Vorlage, nach der gebaut wird.