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Wie Kambodscha überzeugt

Wie Ihr schon am Titel erkennen könnt, haben sich der Eindruck, den das Land an der Grenze auf mich gemacht hat und meine Vorurteile ihm gegenüber sich nicht bestätigt. Eigentlich kann man sagen, dass ich jeden Tag lieber in Kambodscha weile. Jeder Tag bereichert mich in irgendeiner Form. Dieses Land der Kontraste, das kaum einer kennt, überrascht an jeder Ecke.

Erst sieht man karges, flaches Land, abgemagerte Kühe, Menschen, die in Wellblechhütten wohnen und bei Touristen betteln. Malariaprophylaxe zu nehmen scheint mir sehr vernünftig angesichts der unzähligen Tümpel, Kanäle und Seen. Hitze und kräftige Regenschauer, beide gleichermaßen erbarmungslos, runden den Eindruck ab. Dazu kommt das Bewusstsein, was hier in den 1970er Jahren unter der grauenvollen Herrschaft von Pol Pot passiert ist.

Straße in Siem Reap.

Was Kambodscha neben seinem Weltkulturerbe jedoch zu bieten hat sind seine Einwohner. Die Kambodschaner sind Touristen erst seit kurzem gewohnt. (Erst 2005 hat die Welt beispielsweise die riesige Tempelanlage der Region Angkor für sich entdeckt.) Ich kann Euch nicht beschreiben, wie herzlich und vom Tourismus unverseucht die Kambodschaner lachen, lächeln und auf mich zugehen. Selbst der kleine Bettlerjunge, der mir die Tür zum Supermarkt aufmacht, strahlt mich aus tiefster Seele an. Diese Lächeln können nicht unecht sein.

Kleines Mädchen in einer Tempelanlage. Sie wollte gerne ein Foto von sich sehen.

Ich würde am liebsten all mein Geld hierlassen und St. Martin spielen.
Wieso? Zwei Beispiele stehen für viele ähnliche Erlebnisse:

Als wir einem der tollsten Tuktuk-Fahrer, die wir bis jetzt hatten, zu seinem Lohn noch Trinkgeld gaben, sagte er nur: „Thank you for giving me job.“

In einem Tempel saßen mir gegenüber zwei alte, verhutzelte Frauen, die mich neugierig musterten. Es waren keine unangenehmen Blicke, sondern aufrichtiges Interesse und erfrischende Herzlichkeit. Wir konnten uns nicht über Worte verständigen, aber wir konnten uns gegenseitig anlächeln. Als sie gingen, kamen sie zu mir herüber und drückten meine Hand. Ich kam mir irgendwie gesegnet vor.