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Grenzüberschreitung

Ich bin in Asien. Das merke ich nicht nur an den schönen Stränden, sondern auch an den Grenzen. Diese werden hier regelmäßig überschritten, getestet und nach Bedarf ausgeweitet. Hauptsache mal die weiße Frau übers Ohr gehauen. Diesmal wollte ich eine Grenze überqueren, und zwar die von Thailand und Kambodscha, aber auch hier hatte nicht ich die Hosen an.

Als wir in Koh Chang abgeholt wurden, bekamen wir erst mal ein kleines neongrünes Stück Tape, auf dem „REP“ stand. Dies sollte später noch eine bedeutende Rolle spielen, also merkt Euch bitte dieses Detail. Ich erspare Euch die Ausführungen die Minivan, Fähre, und die Fahrt zum Grenzübergang Poi Pet zum Inhalt haben. Das Interessante beginnt, wie schon oben erwähnt, an der Grenze selbst. Die beiden für uns zuständigen Kambodschaner, ein Typ Mitte Dreißig und ein junges Mädchen, waren sehr freundlich, sprachen außergewöhnlich gut Englisch und waren offensichtlich davon überzeugt, dass Deutschland die Fußball-WM gewinnen wird. Prima. Außerdem entwarfen sie für uns naive Touristen ein sehr glaubwürdiges Szenario, das wie folgt aussah:

Wir hatten soeben den Bus verpasst, weil wir nicht, wie alle anderen, aus Bangkok angereist waren. Der nächste Bus würde erst in drei Stunden kommen. Die Fahrt nach unserem Reiseziel Siam Reap würde 4,5 Stunden dauern, und das in einem nichtklimatisierten Bus! Dann wäre es Nacht und kein Hostel würde mehr Zimmer frei haben. Da der Bus nur bis zur Stadtgrenze führe, empfahlen sie uns ein Hostel, dessen Fahrer uns direkt am Stadtrand aufsammeln würde. Gegen einen geringen Aufschlag könnten wir aber auch ein Taxi nehmen und in 1,5 Stunden direkt und sofort zu “unserem” Ziel gelangen.

Gut, dass ich nicht ganz so blauäugig bin wie ich aussehe und ihnen mitteilte, dass mir im Moment Zeit relativ schnurz sei. Der Behördengang über die Grenze dauerte dann schon fast eine Stunde und vollzog sich in drei administrativ komplizierten Etappen. Zwischendurch wurden wir immer wieder aufgefordert, uns hinzusetzen, es sei ja so heiß und der Bus, der uns zur nächsten Behörde bringen würde, sowieso noch nicht da. Es war aber auch so, dass zufälligerweise direkt neben den Sitzgelegenheiten Getränke- und Fressbudenverkäufer ihre Ware anboten. Und seltsamerweise stand der Bus jedesmal schon da, man brauchte eigentlich nur einzusteigen. Mein versuchter Alleingang zum Bankautomaten wurde auch sofort unterbunden.

Was hatten die beiden Freundlichkeiten in Person zu verbergen? Nun, den ganzen Grenzkram hätte man problemlos alleine erledigen können. Touristen aber sind wertvolle Geldgeber, die, einmal in der Hand, nicht so schnell wieder hergegeben werden, auch wenn sie von alleine wieder entschwinden wollen.

Das echte, tatsächliche Szenario sah letztendlich wie folgt aus:
Einmal über die Grenze fuhr unser Bus eine halbe Stunde später. Die Fahrt in einem Schrottbus, der aber individuell einstellbare Belüftungen vorwies, dauerte nicht mehr als drei Stunden. (Das Taxi, in das fünf Leute gequetscht werden, hätte zwei gebraucht.) Im Bus wurde unser “REP”-Tape eingesammelt und auf eine Plastikflasche geklebt. Der Sinn dieser Prozedur ist mir leider entgangen. In Siam Reap angekommen wurden wir direkt zum gewünschten Hotel gefahren. Dank der Nebensaison waren die Zimmerpreise mehr als verhandelbar.

Später stellte sich heraus, dass wir für das Visum nach Kambodscha zehn Dollar zu viel bezahlt haben. Naja, wenigstens haben wir den Fressbuden widerstanden und uns in den Abzockeragenturen Feinde gemacht.