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Anke im Wunderland

Kennt Ihr den Film aus den 90ern Die Besucher? Ein Ritter (Jean Reno) und sein Knappe werden durch einen Irrtum in unsere Zeit katapultiert. In einer Szene wird der Knappe auf die moderne Erfindung „Lichtschalter“ aufmerksam gemacht. Total begeistert betätigt er diesen im Millisekundentakt und ruft dabei erstaunt: „Tag, Nacht, Tag, Nacht, Tag, Nacht“.
Sowas ähnliches habe ich auch gemacht. In Schnorchelausrüstung schwimmend schaute ich aufs weite, blaue Meer, tauchte dann meinen Kopf rein und sah eine detailreiche Unterwasserwelt. Wasser, Wunderland, Wasser, Wunderland, Wasser, Wunderland.

Ich kann Euch hier nur ansatzweise beschreiben, was für eine erstaunliche, besondere, faszinierende Welt das Great Barrier Reef ist. Alle zwei Sekunden oder öfter gibt es etwas Neues zu entdecken, alle zwei Sekunden oder öfter ist man ergriffen von dem, was man sieht. Hinter jeder Koralle versteckt sich eine eigene kleine Wunderwelt. Dauernd bleibt einem der Mund offen stehen, und das nicht nur wegen des Schnorchels. Ihr müsst es unbedingt selbst sehen!

Die Dimensionen in diesem Wunderland sind wie in unserer normalen Welt dreidimensional. Der Unterschied ist, dass man sich auch in allen drei Dimensionen bewegen kann. Und das macht extrem viel aus. Ich hatte manchmal das Gefühl, ich fliege. Vor allem wenn ich über die teilweise bis sehr nah an die Oberfläche heranreichenden Korallen schwamm und diese dann auf einmal zu Ende waren. Dann tat sich unter mir ein ca. 15 Meter tiefer Abgrund auf. Und ich konnte einfach drüberweg schwimmen.
Ich hatte den Eindruck, dass die Fische die Menschen neugierig umschwimmen. Sie zeigten keine Angst. Wieso auch? Schließlich ist das hier ein Naturschutzgebiet und kein Mensch darf ihnen etwas antun. Aber jetzt stell Dir mal das Leben eines Fisches vor (der Einfachheit halber ausnahmsweise die Anrede im Singular): Du bist ein Fisch. Mehr kann man dazu nicht sagen, denn mehr machen diese Tiere auch nicht, außer sie selbst sein. Sie schwimmen hierhin und dorthin, manchmal fressen sie was von der Koralle weg, manchmal von einem anderen Fisch und manchmal einen ganzen Fisch. Ich möchte nicht behaupten, dass ich wüsste, was ein Fisch so denkt, aber viel kann es nicht sein. Er existiert einfach. Und dann kommen Menschen und auch die schaut er sich ganz wertfrei an. Ich glaube, die Zebrafische sind diesbezüglich besonders neugierig, denn sie schwammen ganz nah an mich heran und verfolgten mich auch gelegentlich, wie auch schon auf den Whitsunday Islands.

Aber ich möchte Euch jetzt nicht die Aufzählung dessen, was ich gesehen habe, vorenthalten: Fische in allen Farben, Farbkombinationen und Größen (das ist keine Übertreibung und da ich keine Meeresbiologin bin, müsst Ihr Euch mit dieser Aussage zufrieden geben oder in ein Buch über Unterwasserwelten schauen), Schildkröten, Haie (die angeblich nur kleine Fische fressen und sich nicht für Menschen interessieren), Schwärme kleinerer Fische, die fast die gesamte Wasseroberfläche einnehmen, Schwärme größerer Fische, die von weitem aussehen wie ein Monstrum, Quallen, hereinbrechende Sonnenstrahlen und natürlich jegliche Arten, Formen und Farben von Korallen.

Und falls Ihr denkt, dass im dreidimensionalen Wasserraumchaos keine Ordnung herrscht, dann habt Ihr Euch getäuscht. Nix mit „ist doch alles eine Sauce“. Ich habe sehr große, blaugrüne Fische beobachtet, die nicht wie wir zum Lachen, sondern zum Ka**** in den “Keller” gehen. Danach schwimmen sie wieder Richtung Wasseroberfläche.