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Plan B

Ich fühle mich in meiner Lebenseinstellung bestätigt. Die besten Dinge kann man einfach nicht planen. Hier zwei Beispiele:

Ich hatte unsere Gastgeber unwissentlich ausgesperrt, so dass Nori und seine Schwester den Schlüsseldienst rufen mussten. Mélanie und ich kamen etwas später hinzu und warteten mit ihnen auf Rettung. Kurz darauf wurden wir vom Nachbarn entdeckt und eingeladen, solange bei ihm unterzukommen. Und so lernten wir den Armenier kennen, der in Sydney als Friseur und nebenher als Flamencogitarrenspieler arbeitet. Er stutzte, als er mich sah und zeigte mir ein Foto seiner Tochter. Sie sieht mir zum Verwechseln ähnlich! Sie ist zwar jünger als ich, aber hat nur eine Woche nach mir Geburtstag. Liegt bestimmt daran. Bis der Schlüsseldienst kam und weit darüber hinaus aßen wir zusammen Pizza, spielten Gitarre (ich habe mir selbst drei Lieder beigebracht, aber mit einer tollen Sologitarre dabei klang mein Geschrammel gar nicht mal so schlecht), sangen und amüsierten uns über die neuseeländische Fernsehserie The Flight of the Concords. Der Schlüsseldienst störte da eher ein bisschen.

Nori entschied spontan, uns einige Tage auf unserer Reise zu begleiten. Gut, dass ich für Australien eigentlich nur den “Plan” Ayers Rock hatte. Und so reisen wir nun zu dritt total unabhängig für einige Tage in einem Wohnwagen durch Australien. Mal ehrlich, zu zweit hätten wir wieder auf Mitfahrgelegenheiten und Backpackerhostels gesetzt.
Wenn es etwas außer meinen Liebsten gibt, was ich an Deutschland vermisse, dann ist es der Frühling, von dem ich nichts mitbekommen habe. Und genau den habe ich jetzt im Miniformat. Wir reisen entlang der Ostküste auf dem Pacific Highway immer Richtung Norden, was bedeutet, dass Tage und Nächte wärmer werden und der Herbst immer weniger spürbar wird (hoffentlich bestätigt sich meine Theorie auch in der Praxis). Und so sehr ich Wohnwagen manchmal lächerlich gefunden habe, so praktisch sind sie doch, vor allem was Übernachtugsmöglichkeitensuchen angeht.
Meine beiden Mitreisenden sind so nett, dass sie sogar geduldig meine Musikdiktatur ertragen – selbst die Lautstärke. Sah bestimmt lustig aus, wie wir in dem unhandlichen Wohnwagen aus Sydney rausgetuckert sind und ganz laut ACDCs Liveversion von Thunder gehört haben.