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Die Südinsel

Mir wurde gesagt, die Menschen hier seien exzentrisch. Das wird man wohl in der Einöde, da hilft auch die schönste Landschaft auf Dauer nix. Zum Beispiel dieser Bauer: Er rammt Audis wie Sphinxen an den Eingang zu seinem Hof in den Boden…

… und grüßt Ankömmlinge wie folgt: „Welcome to all who wish me well. Anyone else can go to hell.“ Ich geh mal lieber gleich.
Außerdem hörte ich Gerüchte über einen Mann im Städtchen Blackball, der seine Frau umbrachte. Wohl nicht weiter ungewöhnlich, wenn man sich über Scheidungsgeschichten der heutigen Zeit informiert. Allerdings ist der Mann Metzger. Ich frage mich, wie die Salami am nächsten Tag geschmeckt hat.
Sparsam sind sie wohl generell hier unten. Die Brücken haben aus Kostengründen nur eine Spur. Manchmal müssen sich beide Fahrbahnen den Übergang sogar mit Zügen teilen. Das bestimmt ausgeklügelte System habe ich noch nicht durchblickt. Aber wahrscheinlich beruht es darauf, dass hier einfach kaum Menschen sind.
Von den vier Millionen Kiwis leben auf der Südinsel nur eine Million. Vielleicht ist das der Grund, weshalb per Anhalter fahren hier so schwierig ist. Das brachte uns zwei Mal zwei Stunden Wartezeit ein, obwohl wir sonst mit 30 Minuten rechnen, bis uns jemand mitnimmt. Zwei Stunden vor einer tollen Kulisse, zwei Stunden im strömenden Regen. Maßnahmen gegen Verzweiflung sind da lautstark Lieder singen (hört ja eh keiner), alberne Witze und Fotos machen

… und alles mögliche sinnlos kommentieren.
Ja, es regnet ununterbrochen. Zumindest auf der westlichen Seite der Alpen. Das rührt daher, dass der Wind von Westen kommt und die Wolken es nicht alle über das Gebirge schaffen.
260 Tage im Jahr verenden Wolken im Gebirge und ihre Einzelteile fallen auf die Erde hinab. An einem Tag kann es mehr regnen als in England in einem Jahr (diese Statistik klingt so unglaublich, dass ich dahinter ein imaginäres Fragezeichen setzen möchte, aber ich kann es mir durchaus vorstellen).

Das Überflutete Queenstown. Die zweitschlimmste Überflutung seit 10 Jahren.

Ich war lange nicht mehr trocken, geschweige denn, meine Kleidung. Gut, dass ein gewisser Herr mir ein (Achtung, Originalzitat) „Kondom für den Rucksack“ geliehen hat. Herzlichen Dank an dieser Stelle.