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Delphinoper

Es ist endlich vollbracht. „Endlich“ nicht nur, weil diese Erfahrung einfach der Wahnsinn war, sondern weil Mélanie jetzt endlich aufhören wird, mich damit zu verarschen. Ja, ich wollte unbedingt mit Delphinen schwimmen. Klingt kitschig. Aber ich steh dazu.

Eigentlich hatte Mél auch nur eine Verarschungsbasis, weil sie dachte, wir gehen ganz gemütlich in ein Schwimmbecken rein und dann kommt Flipper angeschwommen und man darf ihn streicheln. Pustekuchen. Für unser Geld bekamen wir weit mehr. Erst mal diese knatschengen Tauchanzüge verpasst. Dann fuhren wir aufs offene Meer hinaus, das an diesem Tag übrigens recht unruhig war. Ich wusste nicht, dass man auch IM Wasser seekrank werden kann. Ich kann, und viele andere auch. Aber alle Magenbeherrschung und alle französischen Verarschungstaktiken habe ich hingenommen für eines der coolsten Erlebnisse überhaupt.

Falls Ihr mal auf offenem Meer seid und Haie um Euch herumschwimmen, dann kann es hilfreich sein, wenn sich dazu auch die menschenfreundlichen Delphine gesellen. Gut, dass Ihr meinen Blog lest, denn ich gebe Euch hier super Überlebenstipps, wie man die intelligenten Tierchen aktiv anlocken kann.

1) So tun, als wärt Ihr ein Delphin. Das funktioniert am Besten, wenn man nicht mit den Armen herumpaddelt, sondern ganz ruhig mit dem Kopf nach unten delphingleich durch die See gleitet. Im günstigsten Fall hat man dabei Tauscherbrille, Schnorchel und Flossen an. Schwierig wird es bei hohem Seegang, wenn Wellen gerne mal testen wollen, ob sie in den Schnorchel passen.

2) Im Kreis schwimmen, denn das ist spielerisch auf Delphinisch. Ist nur schwierig, wenn man 1) beherzigen möchte.

3) Singen, denn die Tiere orientieren sich am Klang und kommunizieren auch auf diese Weise miteinander. Man kann aber auch versuchen, die Delphingeräusche nachzumachen.

Das einzige Foto, das ich geschossen habe. Leider vor der Ankunft der Tiere.

Für 3) hatte ich eigentlich kein großartiges Repertoire vorbereitet. Kaum im Wasser fing ich deshalb mit dem Lied an, das ich immer singe, wenn ich Lust zu singen, aber keinen Ohrwurm und auch sonst keine Idee hab: Mercedes Benz von Janis Joplin. Ich blieb allein auf weiter See. Meine Mitschwimmer imitierten aktiv und auch ein bisschen lustig Delphingeräusche, aber ich dachte mir, das ist eigentlich genauso wie wenn ich jetzt meinetwegen den Sound der chinesischen Sprache imitiere, ohne eigentlich was zu sagen. Daher blieb ich bei meinen Leisten und aus irgendeinem Grund kam mir dieses Opernlied vom Troll in der Zauberhöhle in den Sinn.
Auf einmal war ich von Delphinen umringt! Wirklich wahr. Sie schwammen zum Teil zu zwölft unter mir in Spiralen und zentimeternah an mir vorbei. Sie spielten mit mir fangen und schwammen mit mir um die Wette (ratet mal, wer dabei jedesmal den Kürzeren zog). Einen Delphin erkannte ich irgendwann und auch er mochte mich wohl ganz besonders, denn er schien mich jedesmal zu grüßen wenn er mich, öfter als die anderen, besuchen kam. Auch das Dolphinwatching-Team meinte, dass es ungewöhnlich sei, so viele Tiere auf einen Fleck versammelt zu sehen. Es waren über hundert.

Irgendwann mussten wir wieder aufs Boot. Ich war fix und fertig vom Singen und Ankämpfen gegen die Wellen und so tun, als sei ich ein Meerbewohner. Mir war kalt und schlecht. Aber mit so tollen neuen Eindrücken ließ sich sogar verschmerzen, dass ich beim besten Willen nicht in die Kajüte reinkonnte, um meine Kamera zu holen. Stattdessen freute ich mich an den unterschiedlichen Luftsprüngen des sympatischen Delphinschwarms. Und am Ende auch an der heißen Dusche.